Königin mit grünem Zeichenpunkt neben verdeckelter Brut

Instrumentelle Besamung von Bienenköniginnen: Ablauf, Dosis, Besamungsstellen und Regeln in Deutschland

Instrumentelle Besamung der Bienenkönigin: 8 bis 12 µl Sperma, zwei CO2-Narkosen, D.I.B.-Regeln für Besamungsstellen, Geräte, Kosten und Kurse in Deutschland.

Bei der instrumentellen Besamung spritzt ein Besamungstechniker einer jungen, mit Kohlendioxid betäubten Königin unter dem Stereomikroskop 8 bis 12 µl Sperma ausgewählter Drohnen in die Eileiter. So stehen beide Eltern sicher fest, was keine Belegstelle garantieren kann. In Deutschland ist die Methode ein Werkzeug der Züchter: Besamungsstellen arbeiten nach den Zuchtrichtlinien des Deutschen Imkerbunds (D.I.B.) mit gekörten Drohnenvölkern, gelernt wird sie in Lehrgängen der Bieneninstitute oder bei privaten Technikern. Dieser Beitrag zeigt Ablauf, Dosis, Geräte, Studienlage und Regeln.

Wozu brauchen Züchter die instrumentelle Besamung?

Eine Königin paart sich im freien Flug mit vielen Drohnen: In einer US-Studie an 80 Königinnen waren es im Mittel 13,5, die Spanne reichte von 8 bis 25 (Simone-Finstrom und Tarpy 2018). Woher diese Drohnen kommen, bestimmt der Imker nicht. Der D.I.B. schätzte 2017, dass bei Bienen nur rund 7 % der Paarungen kontrolliert ablaufen, beim Rind etwa 90 %. Wie stark das den Zuchtfortschritt bremst, zeigen die Simulationen des Länderinstituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf (Plate et al. 2019), Details im Beitrag zur Genetik der Biene.

Die Besamung schließt diese Lücke. Sie dient vor allem

  • der Linienzucht und Zuchtwertschätzung: Vater- und Muttervolk sind bekannt, die Abstammung lässt sich lückenlos dokumentieren;
  • der Erhaltung kleiner Populationen, etwa der Dunklen Biene oder einzelner Buckfast-Linien, für die es keine staatlich anerkannte Belegstelle gibt (siehe Bienenrassen);
  • der Toleranzzucht, in der gezielt Drohnen geprüfter Völker eingesetzt werden;
  • der Unabhängigkeit vom Wetter: Eine verregnete Belegstellenwoche verdirbt keine Serie.

Elke Genersch, Direktorin in Hohen Neuendorf, nennt die künstliche Besamung im Juli 2026 gegenüber der dpa „eine sehr gute Methode, um bestimmte Zuchterfolge zu erzielen“, aber „eine Spezialität für Züchter“, und eine besamte Königin sei teuer. Für Wirtschaftsvölker genügt in Deutschland meist die standbegattete oder belegstellenbegattete Königin. Wie Sie selbst Königinnen ziehen, erklärt der Beitrag zur Königinnenzucht.

Welche Rolle spielte Deutschland bei der Entwicklung der Technik?

Die moderne Besamung beginnt 1927 mit Lloyd Watson in den USA. Harry Laidlaw beschrieb 1944 die Scheidenklappe (Valvefalte), die man beim Einführen der Spitze umgehen muss, Otto Mackensen entdeckte 1947 die legeauslösende Wirkung der doppelten CO2-Narkose. Aus Deutschland kamen entscheidende Beiträge zur Praxis: Friedrich Ruttner (Institut für Bienenkunde Oberursel) und H. Schneider (Kirchhain) stellten 1974 zusammen mit Jean Fresnaye (INRA Avignon) in Apidologie ein europäisches Standardgerät vor, das seit 1969 erprobt war. Es leitet sich vom Gerät nach Mackensen und Roberts ab, führt die Haken aber von Hand über Kugelgelenke statt mit Mikromanipulatoren wie beim Gerät nach Laidlaw, was nach den Autoren leichter zu erlernen ist. Die Mackensen-Spritze mit einer Spitze von höchstens 0,28 mm Außendurchmesser blieb erhalten.

Heute sind Geräte nach Schley am weitesten verbreitet, kombiniert mit der großvolumigen Spritze nach John Harbo. Das COLOSS BEEBOOK, das internationale Methodenhandbuch von 2013, bebildert seine Protokolle mit diesen Geräten und hält fest, dass sich die Grundtechnik seit den 1950er-Jahren kaum verändert hat.

Wer besamt in Deutschland? Besamungsstellen, Institute und private Techniker

Ein flächendeckendes Netz wie bei den Belegstellen gibt es nicht. Besamt wird an wenigen Instituten, an Besamungsstellen von Verbänden und durch private Techniker, oft mobil. Einige Beispiele mit belegter Quelle:

  • Hohen Neuendorf (Brandenburg): Am Länderinstitut für Bienenkunde begann Christa Winkler 1976 mit der künstlichen Besamung, seit 1983 ist sie als mobile Besamungstechnikerin unterwegs. Das Land Brandenburg schrieb 2020: „Die Nachfrage nach künstlicher Bienen-Besamung steigt.“
  • Blankensee (Brandenburg): Jürgen Brauße besamt seit 1976 und betreibt auf seinem Grundstück eine auf Buckfast spezialisierte Besamungsstation. Ein Züchterpool erprobte dort schon 1986 bis 1989 Verfahren zur Spermamischung, nach Gründung eines neuen Pools im Landesverband der Brandenburgischen Buckfastimker setzte er 2007 wieder homogenes Mischsperma ein.
  • Münster (Nordrhein-Westfalen): Der Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker organisierte 2021 Besamungstage an der Bienenkunde der Landwirtschaftskammer. Das Ehepaar Winkler aus Hohen Neuendorf besamte in zwei Tagen über 100 Königinnen, das Sperma stammte aus vier Drohnenvölkern ausgewählter Züchter.
  • Celle und Kirchhain: Die Institute in Niedersachsen und Hessen bieten gemeinsam einen Besamungslehrgang an (siehe Kurse unten).
  • Besamung als Ersatz für eine Belegstelle: Als die Brandenburger Belegstelle Schorfheide-Wildfang 2020 und 2021 wegen eines Forschungsprojekts geschlossen blieb, war laut Land „ersatzweise“ die künstliche Besamung möglich.

Feste, öffentlich ausgehängte Preise je besamter Königin haben wir bei deutschen Instituten nicht gefunden. Fragen Sie beim Zuchtobmann Ihres Landesverbands nach Besamungsterminen und Gebühren.

Was verlangen die Zuchtrichtlinien des D.I.B.?

Wer im organisierten Zuchtwesen arbeitet, also mit Zuchtkarte, Körung und Zuchtwertschätzung, muss sich an die Zuchtrichtlinien des D.I.B. (Stand Juni 2021) halten. Für die Besamung sind vor allem Abschnitt 4 und Abschnitt 8 wichtig:

Regel Fundstelle
Bei Rein-, Kreuzungs- und Kombinationszucht erfolgt die Paarung auf anerkannten Belegstellen oder durch anerkannte Besamungsstellen. 4.1 bis 4.3
Besamungsstellen sind Einrichtungen, an denen anerkannte Besamungstechniker kontrollierte Paarungen durchführen. 8
Die Anerkennung erfolgt durch den zuständigen D.I.B.-Mitgliedsverband, also den Landesverband. Voraussetzung: nachgewiesene Beherrschung der Technik, Teilnahme an Königinnenzucht-, Kör- und Bienengesundheitslehrgängen, Verwendung der D.I.B.-Zuchtvordrucke, insbesondere des Besamungsbuchs. 8.1
Zur Besamung dürfen nur Drohnen aus gekörten Drohnenvölkern benutzt werden. Jede Besamung ist ins Besamungsbuch einzutragen. 8.2
Besamungsstellen legen Jahresberichte vor, mit Zahl der besamten Königinnen, Besamungserfolg, Namen der Züchter und Herkunft der Drohnenvölker. 8.3
Wer nicht genehmigte Drohnenvölker verwendet, verliert die Anerkennung. 8.4.3

Die Zuchtkarte begleitet die Königin zur Besamungsstelle genauso wie zur Belegstelle (Abschnitte 5.3 und 6.3), Züchter zeichnen alle Königinnen individuell in der Jahresfarbe, 2026 also weiß. Ein eigenes Kennzeichen wie „B“ für besamte Königinnen schreiben die Richtlinien nicht vor, die Paarungsart steht in den Abstammungsangaben. Für die Körung eines Volkes verlangt der Körschein zwei vollständige Vorfahrengenerationen, die Paarungssicherheit kann mit Merkmalsuntersuchung oder DNA-Analyse geprüft werden (9.1.1.1). Buckfast-Züchter dokumentieren die Abstammung in der Schreibweise nach Bruder Adam (Anhang II).

Außerhalb des D.I.B.-Zuchtwesens darf jeder seine eigenen Königinnen besamen. Die Königinnen gelten dann aber nicht als kontrolliert gepaart im Sinne der Richtlinien. Nur bei der kontrollierten Vermehrungszucht lassen die Richtlinien die Paarungsart offen (4.4).

Welche Ausrüstung braucht man und was kostet sie?

Das LAVES Celle schreibt für seinen Besamungslehrgang 2026 vor, was Teilnehmer mitbringen müssen. Die Liste ist zugleich eine gute Einkaufsliste:

  • Besamungsgerät mit Haken und Besamungsspritze, dazu Ersatzspritzen;
  • passendes Stereomikroskop mit Kaltlicht (das BEEBOOK nennt 10- bis 20-fache Vergrößerung);
  • Narkoseeinrichtung aus CO2-Flasche mit Druckminderer, Waschflasche und Schlauch; Sahnekapseln sind ungeeignet;
  • gerade Präzisionspinzette zum Öffnen der Stachelkammer;
  • Schere zum Flügelschneiden, Alkohol über 70 %, Petrischale für Tupfer.

Das BEEBOOK ergänzt Königinnenröhrchen, Drohnenkäfige, einen Flugkasten für Drohnen, sterile Gefäße und Pipetten sowie einen Autoklaven oder Dampfdrucktopf.

Preise eines deutschen Fachhändlers (Bienen-Voigt & Warnholz), abgerufen im Oktober 2026, inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Versand:

Artikel Preis
Besamungsset ohne Mikroskop, Licht und Narkosevorrichtung 1.589,00 €
Besamungsgerät 1.2, schwere Ausführung 1.807,90 €
Besamungsgerät Schley komplett mit Mikroskop (10-fach), LED-Licht und Narkosevorrichtung 2.314,00 €
Komplettgerät 1.2 mit Stereomikroskop SteroBlue 7/45 2.695,00 €
Schley-Besamungsspritze 167,99 €
Harbo-Spritze 206,30 €
Druckminderer 119,90 €
Besamungskanülen (5 Stück) 34,50 €
Kaltlichtlampe 105,90 €

Zählt man ein Komplettgerät, eine Harbo-Spritze, Druckminderer und Ersatzkanülen zusammen, kommt man nach unserer eigenen Rechnung auf grob 2.700 bis 3.100 Euro, ohne CO2-Flasche. Gebrauchte Geräte sind günstiger. Prüfen Sie aber, ob Haken, Spritzenhalter und Spitzen zusammenpassen.

Wie bereitet man Drohnen und Königinnen vor?

Zeitplan

Zwei Reifezeiten müssen zusammenfallen. Ein Drohn braucht 24 Tage vom Ei bis zum Schlupf (Königin 16, Arbeiterin 21, siehe Entwicklung der Biene). Geschlechtsreif ist er nach der Übersicht von Rangel und Fisher (2019) je nach Studie 6 bis 16 Tage nach dem Schlupf. Das BEEBOOK verlangt für die Spermagewinnung Drohnen von mindestens 14 Tagen. Die Drohnenwabe gehört also spätestens 38 bis 40 Tage vor dem Besamungstermin ins Drohnenvolk.

Die Königin wird nach dem BEEBOOK 5 bis 12 Tage nach dem Schlupf besamt, an anderer Stelle nennt das Handbuch 5 bis 14 Tage. Weil Königinnen etwa 11 bis 12 Tage nach dem Umlarven schlüpfen, larven Sie für eine Besamung am 6. bis 8. Lebenstag rund 17 bis 20 Tage vorher um.

Drohnenvölker

  • Nur gekörte Drohnenvölker verwenden, wenn die Königinnen im D.I.B.-Zuchtwesen geführt werden.
  • Starke, gut versorgte Völker halten mehr Drohnen. Nach dem BEEBOOK pflegen Völker mit älteren Königinnen Drohnen bereitwilliger.
  • Die Drohnen über einem Absperrgitter schlüpfen lassen und frisch geschlüpft markieren, damit ihr Alter feststeht.
  • Pro Sitzung nur so viele Drohnen holen, wie in 30 bis 40 Minuten verarbeitet werden, nach BEEBOOK 100 bis 150.
  • Drohnen im Flugkasten kurz fliegen lassen: Sie entleeren den Darm, das Sperma bleibt sauberer. Kriechende, flugunlustige Tiere aussortieren.
  • Die Varroa in den Drohnenvölkern im Griff halten. Schlechtes Futter, Hitze und Rückstände mindern die Spermaqualität (Rangel und Fisher 2019).

Königinnen

Die Königinnen schlüpfen in gut besetzten Begattungseinheiten, vor dem Flugloch ein Absperrgitter gegen Paarungsflüge. Das ist kein Detail: In Versuchen von Woyke und Kollegen (1995) paarten sich 69 % der mit 6 Tagen besamten Königinnen trotzdem noch im Freiflug, wenn sie ausfliegen konnten, bei 14 Tage alten waren es 29 %. Lange Käfighaltung vor der Besamung schadet: Wer die Käfigzeit von 10 auf 4 Tage verkürzte, senkte die Verletzungsrate der Königinnen von 54 % auf 0 % (Cobey 2007).

Wie läuft die instrumentelle Besamung Schritt für Schritt ab?

Das Protokoll folgt dem COLOSS BEEBOOK. Gearbeitet wird in einem sauberen, warmen Raum.

Vorbereitung

  1. Instrumente desinfizieren: Spitzen, Haken und Spritze mit Alkohol oder im Autoklaven reinigen, mit sterilem Wasser nachspülen.
  2. Spritze füllen: Spritze mit Verdünnerlösung füllen, dann eine kleine Luftblase aufziehen, die Lösung und Sperma trennt.
  3. Erste Narkose: Die Königin ein bis zwei Tage vor der Besamung 1 bis 4 Minuten mit CO2 behandeln.

Sperma gewinnen

  1. Drohn ausstülpen: Durch Druck auf Kopf und Brust, dann auf den Hinterleib stülpt der reife Drohn den Endophallus aus. Das Sperma liegt als cremefarbene Schicht auf weißem Schleim.
  2. Nur Sperma aufnehmen: Den Schleim nicht ansaugen, er verklebt Spitze und Eileiter. Ein Drohn liefert etwa 1 µl.
  3. Spitze feucht halten: Zwischen zwei Drohnen die Spitze in die Lösung tauchen, an der Luft trocknet das Sperma ein. Ali Ataeian, der 2026 einen Lehrgang in Thüringen leitete, nennt die Spermagewinnung „eine mühsame Arbeit“.

Besamung

  1. Zweite Narkose: Die Königin im Röhrchen unter gleichmäßigem CO2-Strom betäuben, Hinterleib frei.
  2. Stachelkammer öffnen: Mit dem Bauchhaken und dem Rückenhaken oder der Pinzette die Stachelkammer spreizen, bis die Scheidenöffnung sichtbar ist.
  3. Spitze einführen: Die Spitze in die Scheide einführen und an der Scheidenklappe vorbeiführen, die sie sonst blockiert. Quillt beim Injizieren Sperma zurück, sitzt die Spitze vor der Klappe: zurückziehen, neu ansetzen.
  4. Langsam injizieren: Standarddosis 8 bis 12 µl. Eine Dosis von 12 µl kann auch geteilt werden, als zweimal 6 µl im Abstand von 48 Stunden.
  5. Zeichnen und dokumentieren: Königin in der Jahresfarbe zeichnen, Drohnenherkunft, Dosis und Datum ins Besamungsbuch.

Nach der Besamung

  1. Sofort zurück ins Begattungsvölkchen: Das BEEBOOK empfiehlt, jede Königin direkt in ihr etabliertes Völkchen freizulassen. Gekäfigte Königinnen speichern weniger Spermien.
  2. Absperrgitter bis Eier liegen: Das Gitter vor dem Flugloch bleibt, bis die Königin legt.
  3. Ruhe geben: Die Spermien wandern in etwa 40 Stunden in die Samenblase.

Mischsperma

Sollen mehrere Königinnen mit einem repräsentativen Drohnengemisch besamt werden, mischt man das Sperma vieler Drohnen, verdünnt es und zentrifugiert es. Das BEEBOOK beschreibt dafür 1 Teil Sperma auf 10 Teile Verdünner. In Deutschland hat Jürgen Brauße in Blankensee solche Mischverfahren für die Buckfastzucht angewendet.

Warum zwei CO2-Narkosen?

Kohlendioxid ist bei der Besamung mehr als ein Betäubungsmittel. Nach Mackensen (1947) verzögern besamte Königinnen ohne zweite Narkose die Eiablage um 40 bis 60 Tage, Woyke stellte diesen Wert 1966 allerdings in Frage. Die erste Behandlung vor dem Eingriff und die zweite während der Besamung lösen das Legen aus, ähnlich wie es die Paarungsflüge bei einer natürlich begatteten Königin tun.

Wie schnell es geht, zeigt die Auswertung von Moritz und Kühnert an 3.440 Königinnen, die zwischen 1972 und 1983 in Deutschland besamt wurden: Im Frühjahr legten sie im Mittel 5,7 Tage nach der Besamung, spät in der Saison erst nach 14,3 Tagen. Zu viel CO2 hat aber einen Preis: Die polnische Forscherin Konopacka führte 1987 eine geringere Überlebensrate besamter Königinnen in späteren Jahren auf übermäßige CO2-Behandlungen zurück (Cobey 2007). Halten Sie sich deshalb an die 1 bis 4 Minuten des BEEBOOK.

In welcher Jahreszeit wird besamt?

Besamt wird, solange reife Drohnen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Eine amtliche Saisonangabe gibt es nicht, die belegten Termine liegen im Frühsommer: Die Besamungstage in Münster fanden 2021 am 11. und 12. Juni statt, der Celler Lehrgang lag 2026 in der zweiten Juliwoche. Wir leiten daraus für die meisten Regionen grob Mai bis Juli ab, in Höhenlagen und im Norden beginnt die Drohnenbrut später. Späte Besamungen sind möglich, die Königinnen gehen aber langsamer in Eilage, wie die Zahlen von Moritz und Kühnert zeigen. Planen Sie Ihre Serien so, dass die Drohnenvölker im Frühjahr früh in Brut gehen und genug Drohnenbrut pflegen.

Erfolgsquoten und Lebensdauer: Was zeigen die Studien?

Erfolgsquoten

Viele der klassischen Zahlen stammen aus Deutschland. Sie sind alt, aber gut dokumentiert:

Serie Ergebnis
Kirchhain, 1972 76,8 % der besamten Königinnen in Eilage
Kirchhain, 1973 83,5 % in Eilage
Moritz und Kühnert, Deutschland 1972 bis 1983, 3.440 Königinnen 90 % Erfolg

Die Kirchhainer Zahlen nennen Woyke und Ruttner (1976), beide Reihen zitiert nach der Übersicht von Susan Cobey (2007). Aktuelle bundesweite Statistiken veröffentlichen weder der D.I.B. noch die Institute. Rechnen Sie im ersten Jahr mit deutlich schlechteren Quoten als erfahrene Stationen.

Typische Fehlerquellen

Die Übersicht von Cobey (2007) nennt vor allem vier Ursachen für schlechte Ergebnisse:

  • Alte Drohnen: Sperma von Drohnen, die älter als vier Wochen sind, bleibt häufiger in den Eileitern stecken.
  • Falsch sitzende Spitze: Liegt die Spitze vor der Scheidenklappe, fließt Sperma zurück, die Königin ist unterdosiert.
  • Käfighaltung und Lagerung in Weiselbanken: Arbeiterinnen verletzen gekäfigte Königinnen, Spermien wandern schlechter in die Samenblase.
  • Zu späte Besamung: Königinnen, die mit zwei bis drei Wochen und kleinen Dosen besamt wurden, schnitten in Vergleichsstudien schlecht ab.

Hinzu kommen Hygienefehler. Arbeiten Sie mit desinfizierten Spitzen, sauberen Händen und frischer Lösung.

Besamte gegen natürlich begattete Königinnen

Cobey hat 2007 die veröffentlichten Vergleiche seit 1946 zusammengetragen. In den meisten Studien leisteten besamte Königinnen gleich viel oder mehr als natürlich begattete. Die einzige Studie mit schlechterem Ergebnis (Harbo und Szabo 1984) hatte Königinnen erst mit zwei bis drei Wochen besamt, mit zwei kleinen Dosen, und sie vor dem Zusetzen gekäfigt. Cobeys Fazit: Die Haltung der Königinnen vor und nach dem Eingriff entscheidet mehr als die Besamung selbst.

Der Schwellenwert: 4 Millionen Spermien

Königinnen mit weniger als etwa 4 Millionen Spermien in der Samenblase werden vorzeitig umgeweiselt (Harizanis und Gary 1984, Woyke 1989, nach Cobey 2007). Wie leicht dieser Wert unterschritten wird, zeigt ein Versuch von Woyke: Besamte Königinnen, die in kleinen Absperrgitterkäfigen saßen, speicherten nur 1,8 Millionen Spermien. Daraus folgen drei Regeln:

  • volle Dosis von 8 bis 12 µl, kein Sparen am Sperma;
  • Königin nach der Besamung frei laufen lassen, nicht käfigen;
  • nur reife, gesunde Drohnen verwenden.

Einweiseln

Eine frisch besamte Königin ist noch keine fertige Stockmutter. Das BEEBOOK weist darauf hin, dass sich ihr Pheromonbouquet langsamer entwickelt. Lassen Sie sie im Begattungsvölkchen in Eilage gehen und einige Wochen legen, bevor Sie sie in ein starkes Volk umweiseln.

Einzeldrohn- oder Mehrdrohnbesamung?

Bei der Einzeldrohnbesamung bekommt die Königin das Sperma nur eines Drohns, etwa 1 µl. Alle Arbeiterinnen sind dann Superschwestern. Das macht Zuchtwerte genauer und ist in der Forschung beliebt.

Manuel Du, Richard Bernstein und Andreas Hoppe aus Hohen Neuendorf haben 2024 in Hereditas über 20 Jahre simulierte Zuchtprogramme mit 1 bis 50 Drohnen je Königin verglichen:

  • Einzeldrohnbesamung brachte 5,5 bis 14,2 % mehr Zuchtfortschritt, aber 6,1 bis 30,2 % mehr Inzucht;
  • bei mehreren Drohnen spielte die genaue Zahl kaum eine Rolle;
  • ein einzelner Drohn füllt die Samenblase nicht, solche Königinnen tragen kein vollwertiges Wirtschaftsvolk.

Die Autoren empfehlen, auf eine ausreichende Spermamenge zu achten statt auf eine bestimmte Drohnenzahl. In der Praxis heißt das: Einzeldrohnbesamung für Prüfung und Forschung, Mehrdrohnbesamung mit 8 bis 12 µl für Zucht- und Wirtschaftsköniginnen. Die Simulationen von Plate und Kollegen (2019) zeigen zudem, wie viel eine kontrollierte Paarung insgesamt bringt. Welchen Zuchtfortschritt die Zuchtwertschätzung seit ihrer Einführung gebracht hat, zeigen Hoppe und Kollegen (2020). Zuchtwerte und Inzucht erklärt unser Beitrag zur Genetik der Biene.

Was gilt rechtlich?

Ein eigenes Gesetz zur Besamung von Bienenköniginnen haben wir nicht gefunden. Die Lage im Überblick:

  • Tierzuchtgesetz: Es gilt nach § 1 nicht für Bienen. Die Zucht regeln die Länder und der D.I.B., in Bayern etwa die Tierzuchtverordnung (BayTierZV), die sich auf Leistungsprüfung und Belegstellen bezieht.
  • Tierschutz: Die Betäubungspflicht des § 5 Tierschutzgesetz gilt nur für Eingriffe an Wirbeltieren. Für alle Tiere gilt aber § 1, nach dem niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Eine Vorschrift zur CO2-Narkose von Bienen gibt es nicht.
  • Tierseuchenrecht: Wer Begattungsvölkchen an eine Besamungsstelle in einem anderen Ort bringt, verbringt Bienen. Klären Sie mit dem Veterinäramt, ob ein Gesundheitszeugnis nach der Bienenseuchen-Verordnung nötig ist, siehe Bienen anmelden. Auch der Leiter einer D.I.B.-Besamungsstelle kann nach den Zuchtrichtlinien eine Gesundheitsbescheinigung verlangen (8.2).
  • Königinnen aus dem EU-Ausland: Für den Versand innerhalb der EU sieht das Unionsrecht eine amtliche Bescheinigung vor. Für Königinnen muss die Untersuchung höchstens 24 Stunden vor dem Versand erfolgen, je Königin sind höchstens 20 Begleitbienen erlaubt (Europäische Kommission).
  • Antibiotika im Verdünner: Manche Verdünnerrezepturen im BEEBOOK enthalten Antibiotika. Bienen sind Lebensmittel liefernde Tiere. Besprechen Sie den Einsatz mit Ihrem Tierarzt oder arbeiten Sie mit antibiotikafreier Lösung und sauberem Arbeiten.

Tiefgefrorenes Sperma

Drohnensperma lässt sich einfrieren und wieder auftauen, ist aber noch kein Werkzeug der Praxis. Die Universität Lüttich erhielt 2025 mit einem einfachen, antibiotikafreien Protokoll weibliche Brut aus aufgetautem Sperma, doch nur eines von fünf Völkern der Gefriergruppe ging in den Winter, und es war schwächer als die Vergleichsvölker (Egyptien et al. 2025). Für Genbanken und Erhaltungszucht interessant, für Wirtschaftsköniginnen nicht.

Wo lernt man die Besamung in Deutschland?

Die Technik verlangt Übung. Eine Schweizer Teilnehmerin des Lehrgangs in Elgersburg sagte 2026: „Das Frustrationslevel muss hoch sein, vor allem am Anfang.“ Angebote 2026:

  • LAVES Celle mit dem Bieneninstitut Kirchhain: Besamungslehrgang vom 6. bis 10. Juli 2026, fünf Tage, 600 Euro, höchstens 12 Teilnehmer, ausschließlich für anerkannte Züchter und Züchter in Anerkennung. Gearbeitet wird mit dem eigenen Gerät.
  • LAVES Celle, Fachforum Zucht am 1. und 2. Oktober 2026 (120 Euro): Planung und „sinnvolle Anwendung der künstlichen Besamung“, Anmeldung nur über Vereine, Landesverbände oder Züchterringe.
  • Länderinstitut Hohen Neuendorf: führt „Künstliche Besamung“ im Lehrgangsprogramm 2026, Termine und Anmeldung über das Institut.
  • Private Lehrgänge: In Elgersburg (Thüringen) unterrichtete im Juli 2026 ein spezialisierter Besamungstechniker fünf Teilnehmer, darunter Züchter aus der Schweiz. Er hat nach eigenen Angaben rund 670 Menschen ausgebildet.

Fragen Sie zudem beim Zuchtobmann Ihres Landesverbands, viele Landesverbände organisieren Besamungstage mit erfahrenen Technikern. Notieren Sie von Anfang an für jede Königin Alter, Dosis, Narkosen, Legebeginn und Verbleib. Nur so sehen Sie, wo Ihre Fehler liegen.

Häufige Fragen

Wie viel Sperma bekommt eine Königin bei der instrumentellen Besamung?

Standard sind 8 bis 12 Mikroliter je Königin, so das internationale Methodenhandbuch COLOSS BEEBOOK. Eine Drohne liefert etwa 1 Mikroliter, für eine Königin braucht man also rund 8 bis 12 reife Drohnen. Statt 12 Mikroliter auf einmal kann man auch zweimal 6 Mikroliter im Abstand von 48 Stunden geben, die Königin muss dafür zweimal unter Narkose.

Warum wird die Königin zweimal mit CO2 betäubt?

Kohlendioxid betäubt nicht nur, es löst auch die Eiablage aus. Otto Mackensen berichtete 1947, dass besamte Königinnen ohne zweite Narkose oft erst 40 bis 60 Tage später legen. Üblich ist deshalb eine erste Narkose von 1 bis 4 Minuten ein bis zwei Tage vor der Besamung und die zweite während des Eingriffs selbst.

Darf jeder Imker seine Königinnen selbst besamen?

Ein Gesetz, das die Besamung von Bienenköniginnen an eine Erlaubnis bindet, haben wir nicht gefunden. Das Tierzuchtgesetz gilt nicht für Bienen, und für die eigenen Königinnen braucht niemand eine Zulassung. Wer aber im Zuchtprogramm des Deutschen Imkerbunds arbeitet und Königinnen als kontrolliert gepaart führen will, braucht eine vom Landesverband anerkannte Besamungsstelle, gekörte Drohnenvölker und ein geführtes Besamungsbuch.

Wie alt sollen Königin und Drohnen bei der Besamung sein?

Die Königin sollte nach dem COLOSS BEEBOOK 5 bis 12 Tage nach dem Schlupf besamt werden, in einem anderen Kapitel nennt es 5 bis 14 Tage. Drohnen sollen mindestens 14 Tage alt sein. Da ein Drohn 24 Tage bis zum Schlupf braucht, gehört die Drohnenwabe rund 38 bis 40 Tage vor dem Termin ins Drohnenvolk.

Leben besamte Königinnen kürzer als begattete?

Nicht grundsätzlich. Die Übersichtsarbeit von Susan Cobey von 2007 fand in den meisten Vergleichsstudien gleiche oder bessere Leistungen besamter Königinnen. Probleme entstehen meist durch Haltung und Dosis: Königinnen mit weniger als etwa 4 Millionen Spermien werden früh umgeweiselt, und gekäfigte Königinnen speichern deutlich weniger Spermien als frei laufende. Volle Dosis und freier Lauf im Völkchen sind deshalb entscheidend.

Was kostet ein Besamungsgerät?

Ein deutscher Fachhändler verlangte im Oktober 2026 für ein Besamungsset ohne Mikroskop, Licht und Narkose 1.589 Euro, für ein Schley-Komplettgerät mit Mikroskop, LED-Licht und Narkosevorrichtung 2.314 Euro, jeweils mit Mehrwertsteuer. Dazu kommen Druckminderer, Ersatzspritzen und Glaskanülen. Gebrauchte Geräte sind günstiger, Haken und Spitzen müssen aber passen. Zum Celler Lehrgang bringen Teilnehmer ihr eigenes Gerät mit.

Wo lerne ich die instrumentelle Besamung in Deutschland?

Das LAVES-Institut für Bienenkunde Celle bietet mit dem Bieneninstitut Kirchhain einen fünftägigen Besamungslehrgang an, 2026 vom 6. bis 10. Juli für 600 Euro, aber nur für anerkannte Züchter und Züchter in Anerkennung. Das Länderinstitut Hohen Neuendorf führt künstliche Besamung in seinem Kursprogramm. Daneben gibt es private Lehrgänge spezialisierter Besamungstechniker, und manche Landesverbände organisieren Besamungstage.

Wie lange nach der Besamung beginnt die Königin zu legen?

Bei der doppelten CO2-Narkose meist nach wenigen Tagen. Moritz und Kühnert werteten 3.440 in Deutschland besamte Königinnen aus: Im Frühjahr legten sie im Mittel 5,7 Tage nach der Besamung, spät in der Saison erst nach 14,3 Tagen. Bis Eier zu sehen sind, bleibt das Absperrgitter vor dem Flugloch des Begattungsvölkchens, sonst fliegt die Königin doch noch aus.

Quellen

  1. Standard methods for instrumental insemination of Apis mellifera queens (Journal of Apicultural Research 52(4), 2013, The COLOSS BEEBOOK), Susan W. Cobey, David R. Tarpy, Jerzy Woyke, IBRA
  2. Comparison studies of instrumentally inseminated and naturally mated honey bee queens and factors affecting their performance (Apidologie 38, 390-410, 2007), Susan W. Cobey, Apidologie
  3. Un appareil standard pour l'insémination artificielle des reines d'abeilles (Apidologie 5(4), 1974), F. Ruttner, H. Schneider, J. Fresnaye, Apidologie
  4. Zuchtrichtlinien des Deutschen Imkerbundes (Stand Juni 2021), Deutscher Imkerbund e. V.
  5. Pressemitteilung zur Frühjahrstagung der Zuchtobleute und Institutsvertreter in Lütjensee (10. Mai 2017), Deutscher Imkerbund e. V.
  6. Schulungen und Veranstaltungstermine 2026 (Besamungslehrgang, Fachforum Zucht), LAVES, Institut für Bienenkunde Celle
  7. Infobrief Bienen@Imkerei 01/2026: Begrüßung und Veranstaltungshinweise, Fachzentren und Institute für Bienenkunde, apis e. V.
  8. Bienenzucht in Brandenburg (Oktober 2020), Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg
  9. Besamungstage des Landesverbands Westfälischer und Lippischer Imker in Münster (2021), Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker e. V., über apis e. V.
  10. Sperma für Honig: Das passiert beim Bienen-Besamungslehrgang (28. Juli 2026), Volksstimme, dpa
  11. The number of drones to inseminate a queen with has little potential for optimization of honeybee breeding programs (Hereditas 161, 2024), M. Du, R. Bernstein, A. Hoppe, BioMed Central, über DOAJ
  12. The importance of controlled mating in honeybee breeding (Genetics Selection Evolution 51, 74, 2019), M. Plate, R. Bernstein, A. Hoppe, K. Bienefeld, BioMed Central
  13. Substantial Genetic Progress in the International Apis mellifera carnica Population Since the Implementation of Genetic Evaluation (Insects 11, 768, 2020), A. Hoppe, M. Du, R. Bernstein, F.-K. Tiesler, M. Kärcher, K. Bienefeld, MDPI
  14. Factors affecting the reproductive health of honey bee (Apis mellifera) drones: a review (Apidologie 50, 2019), Juliana Rangel und Adrian Fisher II, Springer
  15. Honey Bee Queens Do Not Count Mates to Assess their Mating Success (Journal of Insect Behavior, 2018), Michael Simone-Finstrom und David R. Tarpy, USDA-ARS
  16. Evaluation of a Simple Antibiotic-Free Cryopreservation Protocol for Drone Semen (Insects 16(1), 50, 2025), S. Egyptien, J. Ponthier, F. Ectors, B. Thibaut, S. Deleuze, Université de Liège, MDPI
  17. § 1 Tierzuchtgesetz: Anwendungsbereich, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
  18. § 5 Tierschutzgesetz: Betäubung bei Eingriffen an Wirbeltieren, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
  19. Honey bees: movements between Member States and entry into the Union, Europäische Kommission, Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  20. Künstliche Besamung: Besamungsgeräte, Spritzen, Kanülen und Zubehör (Preise, Oktober 2026), Bienen-Voigt & Warnholz GmbH & Co. KG