

Wildbienen in Deutschland: Arten, Nistplätze, Gefährdung und wie Sie ihnen im Garten helfen
Wildbienen in Deutschland: rund 600 Arten, fast die Hälfte gefährdet, die meisten nisten im Boden. Arten erkennen, Nisthilfen bauen, Konkurrenz einordnen.
Wildbienen sind alle Bienenarten, die ohne Zutun des Menschen leben. In Deutschland sind es nach der aktuellen Checkliste von 2023 rund 600 Arten, von der wenige Millimeter kleinen Furchenbiene bis zur etwa drei Zentimeter großen Blauschwarzen Holzbiene. Die meisten leben solitär, also ohne Volk, produzieren keinen Honig und nisten im Boden. Fast die Hälfte der bewerteten Arten gilt als bestandsgefährdet oder ist bereits ausgestorben. Helfen können Sie vor allem mit offenem Boden, heimischen Blütenpflanzen, Totholz und dem Verzicht auf Insektizide; eine gut gebaute Nisthilfe ist eine Ergänzung.
Die Honigbiene Apis mellifera ist nur eine Art unter diesen rund 600, die bekannteste, weil der Mensch sie hält. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die wichtigsten Wildbienen erkennen, was sie brauchen, was die Rote Liste und die Krefelder Studie wirklich sagen und wie viel an der Konkurrenz mit Honigbienen dran ist.
Wie viele Wildbienenarten gibt es in Deutschland?
Von 561 auf 604 Arten
Lange war die Zahl 561 der Maßstab. So viele etablierte Bienenarten führte die Rote Liste der Bienen Deutschlands von 2011, die Paul Westrich und Kollegen erarbeitet hatten und die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) 2012 im Band 3 der Roten Listen für Wirbellose veröffentlichte. Darunter waren 41 Hummelarten.
Im September 2023 erschien in der neuen Fachzeitschrift Anthophila eine taxonomische Checkliste, die das Rote-Liste-Zentrum gefördert hat. Sie nennt 604 aktuell oder ehemals heimische Arten, ohne die Honigbiene. Das Rote-Liste-Zentrum sieht zwei Gründe für den Anstieg: Forschungsfortschritte, die bislang übersehene Arten aufdecken, und die Zuwanderung wärmeliebender Arten infolge des Klimawandels. Weil die Checkliste auch verschollene Arten enthält, ist der Vergleich mit 561 nicht ganz direkt. Als Faustregel gilt: Deutschland hat rund 600 Bienenarten.
Die Familien im Überblick
Bienen (Anthophila) sind Hautflügler, die von Grabwespen abstammen und ihre Larven mit Pollen und Nektar ernähren. In Deutschland kommen sechs Familien vor:
| Familie | Typische Gattungen | Erkennungsmerkmale |
|---|---|---|
| Apidae (Echte Bienen) | Apis, Bombus, Xylocopa, Anthophora, Eucera, Nomada | vielfältigste Familie: Honigbiene, Hummeln, Holzbienen, Pelzbienen, Wespenbienen |
| Andrenidae (Sandbienen) | Andrena, Panurgus | viele Frühjahrsarten, Pollen an den Hinterbeinen, Nester im Boden |
| Halictidae (Furchen- und Schmalbienen) | Halictus, Lasioglossum, Sphecodes | klein bis mittelgroß, Weibchen mit Furche am Hinterleibsende |
| Megachilidae (Bauchsammler) | Osmia, Megachile, Anthidium, Chelostoma, Hoplitis | Pollen in einer Bürste unter dem Bauch |
| Colletidae (Seiden- und Maskenbienen) | Colletes, Hylaeus | Brutzellen mit seidenartiger Sekretauskleidung |
| Melittidae (Sägehorn- und Schenkelbienen) | Melitta, Macropis, Dasypoda | oft auf wenige Pflanzen spezialisiert |
Was unterscheidet Wildbienen von der Honigbiene?
Der Unterschied liegt vor allem in der Lebensweise. Ein Honigbienenvolk besteht aus Zehntausenden Arbeiterinnen und überwintert als Ganzes. Wie es aufgebaut ist, erklärt der Beitrag zum Aufbau des Bienenvolks. Die allermeisten Wildbienen leben dagegen solitär.
| Merkmal | Honigbiene | Hummeln | Solitäre Wildbienen |
|---|---|---|---|
| Sozialleben | mehrjähriges Volk mit Königin | einjähriges Volk mit einigen Dutzend bis wenigen Hundert Tieren | ein Weibchen baut und versorgt sein Nest allein |
| Überwinterung | ganzes Volk in der Wintertraube | nur die begatteten Jungköniginnen | meist als Larve, Puppe oder fertige Biene im Nest |
| Vorräte | große Honigvorräte | wenig Nektar in Wachstöpfchen | keine |
| Flugradius | mehrere Kilometer | bis etwa 2 Kilometer | meist 200 bis 500 Meter |
| Flugzeit | fast ganzjährig | Februar bis Herbst | oft nur vier bis sechs Wochen je Art |
Die Angaben zum Flugradius stammen aus der Broschüre „Wildbienen in Dörfern” des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) und der Universität Würzburg: Die meisten Arten fliegen nur 200 bis 500 Meter vom Nest, einige Hummeln regelmäßig bis zu zwei Kilometer. Nistplatz und Futterpflanzen müssen also nah beieinander liegen.
Generalisten, Spezialisten und Kuckucksbienen
Viele Wildbienen sammeln Pollen an zahlreichen Pflanzen. Andere sind oligolektisch: Sie holen Pollen nur von einer Pflanzenfamilie oder Gattung. Paul Westrich nennt in seiner Broschüre „Wildbienenförderung in Gärten und Parks mit Stauden” (2025) einige Paare:
- Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana): sammelt Pollen an Witwenblumen (Knautia), etwa der Wald-Knautie.
- Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea): Ihre einzige Pollenquelle ist der Gewöhnliche Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris). Schenkelbienen sammeln an ihm auch Blütenöl, mit dem sie ihre Brutzellen auskleiden und den Proviant anreichern.
- Scherenbienen (Chelostoma rapunculi, C. campanularum, C. distinctum): auf Glockenblumen (Campanula) angewiesen.
Fehlt die Wirtspflanze, fehlt die Biene, auch wenn ringsum Lavendel blüht. Das ist ein Grund, warum Spezialisten in der Roten Liste überdurchschnittlich oft auftauchen.
Rund 24 Prozent der Wildbienen bauen gar kein eigenes Nest, sondern leben als Kuckucksbienen, so das LfU. Wespenbienen (Nomada), Blutbienen (Sphecodes) oder Kuckuckshummeln (Untergattung Psithyrus) legen ihre Eier in fremde Nester. Ihr Vorkommen zeigt, dass die Wirtsart gut vertreten ist.
Welche Wildbienen sieht man in Deutschland am häufigsten?
Mauerbienen (Osmia)
Die Rote Mauerbiene (Osmia bicornis, früher O. rufa) ist der häufigste Gast in Nisthilfen. Sie fliegt von etwa April bis Juni, ist rostrot behaart und mauert ihre Brutzellen in Hohlräumen mit Lehm ab. Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) erscheint schon ab März; die Weibchen haben schwarz behaarte Köpfe mit zwei kleinen Hörnchen und einen leuchtend fuchsroten Hinterleib. Beide sind Generalisten und gute Obstbestäuber. Die Männchen schlüpfen zuerst und warten vor den Niströhren auf die Weibchen; sie haben keinen Stachel.
Sandbienen (Andrena)
Sandbienen sind die artenreichste Gattung im Frühjahr. Viele Arten graben im März und April kleine Erdhügel mit einem Loch in der Mitte, in Rasen, an Wegrändern und auf sandigen Böschungen. Die Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulva) fällt im Garten an Johannisbeeren und Obstbäumen auf. Zahlreiche Sandbienen sind Spezialisten, etwa an Weiden (Salix) oder Kreuzblütlern.
Hummeln (Bombus)
Hummeln bilden die größten Völker unter den heimischen Wildbienen. Im Frühjahr gründet eine einzelne Königin, die allein überwintert hat, ein Nest, oft in einem verlassenen Mäusenest im Boden oder in einem Hohlraum über der Erde. Je nach Art wächst das Volk auf einige Dutzend bis wenige Hundert Tiere. Im Spätsommer entstehen Männchen und Jungköniginnen, das alte Volk stirbt. Häufig sind Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), Ackerhummel (B. pascuorum), Steinhummel (B. lapidarius) und Wiesenhummel (B. pratorum). Hummeln fliegen schon bei niedrigen Temperaturen und sind wichtige Bestäuber für Tomaten, Beeren und Klee.
Holzbienen (Xylocopa)
Die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) war die Wildbiene des Jahres 2024. Mit etwa drei Zentimetern ist sie die größte heimische Wildbiene, schwarz mit blauviolett schimmernden Flügeln. Sie nagt Gänge in morsches Alt- und Totholz und überwintert als fertige Biene am unverschlossenen Nesteingang. Früher lebte sie vor allem in Süddeutschland; heute ist sie nach Angaben der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein in ganz Deutschland verbreitet und gilt als Gewinnerin des Klimawandels.
Pelzbienen (Anthophora)
Die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) sieht aus wie eine kleine Hummel, fliegt aber pfeilschnell und mit hohem Ton, oft schon im März am Lungenkraut. Die Weibchen sind schwarz, die Männchen hellbraun mit langen Haaren an den Mittelbeinen. Sie nisten in Steilwänden, Lehmfugen und altem Mauerwerk.
Furchen- und Schmalbienen (Halictus, Lasioglossum)
Mit Dutzenden Arten sind die oft nur 5 bis 10 Millimeter großen Schmalbienen leicht zu übersehen. Einige Arten leben primitiv eusozial: Ein Weibchen zieht im Frühjahr Töchter auf, die im Sommer als Arbeiterinnen mithelfen. Sie nisten im Boden, oft in Kolonien auf festgetretenen Wegen.
Blattschneider-, Masken- und Seidenbienen
- Blattschneiderbienen (Megachile) schneiden runde oder ovale Stücke aus Blättern, vor allem von Rosen, und kleiden damit ihre Brutzellen aus. Die halbrunden Löcher am Rosenblatt sind kein Schaden, der Pflege braucht.
- Maskenbienen (Hylaeus) sind fast unbehaart, schwarz mit weißer oder gelber Gesichtszeichnung. Sie transportieren den Pollen im Kropf statt im Haarkleid und nisten in markhaltigen Stängeln wie Brombeere.
- Die Efeu-Seidenbiene (Colletes hederae) wurde erst 1993 beschrieben und ist auf Efeu spezialisiert. Sie fliegt im Spätsommer und Herbst. Paul Westrich grub 2015 (Eucera 9) Nester in Sandkästen von Kindergärten in Mössingen, Gomaringen und Bad Niedernau aus; die meisten Brutzellen lagen 18 bis 32 Zentimeter tief, keine tiefer als 42 Zentimeter. Weitere Nistplätze nennt er etwa am Kaiserstuhl, bei Landstuhl und in Worms. Er erwartet, dass sie bald eine der häufigsten Bienen der Ebene und des Hügellands ist, falls sie es nicht schon ist.
Wo nisten Wildbienen?
Für jeden Garten ist das die wichtigste Frage, denn ohne Nistplatz nützt die schönste Blüte nichts. Die meisten Arten nisten im Boden. Das LfU spricht von knapp zwei Dritteln, die selbst Gänge in den Boden graben. Nur rund ein Viertel der heimischen Arten nistet laut Thünen-Institut oberirdisch in vorhandenen Hohlräumen, und nur diese Arten nutzen Nisthilfen. Die Mehrheit braucht also offenen Boden, kein Insektenhotel.
| Nisttyp | Beispiele | Was sie brauchen |
|---|---|---|
| im Boden | Sandbienen, Furchen- und Schmalbienen, Seidenbienen, Hosenbienen (Dasypoda), viele Hummeln | offener, wenig bewachsener, sonniger Boden, Sand, Löss, Lehm, Böschungen, Wegränder |
| Steilwände, Lehm | Pelzbienen, manche Mauerbienen | senkrechte Lehm- oder Lösswände, alte Mauerfugen |
| markhaltige Stängel | Maskenbienen, Keulhornbienen (Ceratina) | dürre Brombeer-, Holunder-, Königskerzen- und Distelstängel, stehend |
| vorhandene Hohlräume | Rote und Gehörnte Mauerbiene, Scherenbienen, Blattschneiderbienen | Käferfraßgänge in Totholz, Mauerritzen, Nisthilfen |
| Totholz | Holzbienen | morsches, besonntes Holz |
| Schneckenhäuser | einige Mauerbienen, etwa Osmia bicolor | leere Gehäuse auf Trockenrasen |
Fast alle solitären Weibchen arbeiten nach demselben Muster: Zelle bauen, Pollen-Nektar-Gemisch eintragen, Ei darauf legen, Zelle verschließen, nächste Zelle. Die Mutter sieht ihre Nachkommen nie. Die neue Generation schlüpft meist erst im folgenden Jahr. Deshalb sind Nistplätze das ganze Jahr über besetzt, auch wenn draußen keine Biene fliegt.
Wann fliegen welche Arten?
| Zeit | typische Wildbienen |
|---|---|
| Februar, März | Hummelköniginnen, Gehörnte Mauerbiene, Frühlings-Pelzbiene, erste Sandbienen, überwinterte Holzbienen |
| April, Mai | Höhepunkt der Artenvielfalt: Sand-, Mauer-, Wespen- und Furchenbienen |
| Juni, Juli | Blattschneider-, Scheren-, Masken-, Woll- und Hosenbienen, Hummelarbeiterinnen |
| August | Furchen- und Schmalbienen, Hummelmännchen und Jungköniginnen |
| September, Oktober | Efeu-Seidenbiene, späte Schmalbienen, Jungköniginnen der Hummeln |
Im Süden und am Oberrhein beginnt die Saison früher als im Norddeutschen Tiefland oder in den Mittelgebirgen. Einen Überblick über das Bienenjahr aus Sicht der Honigbiene gibt der Imkerkalender.
Warum sind so viele Wildbienen gefährdet?
Was die Rote Liste sagt
Nach Angaben des Rote-Liste-Zentrums sind 48 Prozent der bewerteten Bienenarten Deutschlands bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben. Nur etwa 37 Prozent gelten als ungefährdet. Weitere 5 Prozent sind extrem selten, 8 Prozent stehen auf der Vorwarnliste, für 3 Prozent reichen die Daten nicht. Die BfN-Bilanz zur Liste von 2011 nennt für 228 Arten, über 40 Prozent, eine Bestandsgefährdung und 39 Arten, rund 7 Prozent, als ausgestorben oder verschollen.
Diese Zahlen stammen aus der Liste von 2011. Eine neue Rote Liste der Bienen Deutschlands bereitet ein Gremium aus Fachleuten mit Unterstützung des Rote-Liste-Zentrums derzeit vor; die neue Checkliste von 2023 ist ein Schritt dorthin. Ein Erscheinungstermin ist bislang nicht angekündigt. Daneben führen die Länder eigene Rote Listen, die unterschiedlich aktuell sind; die Liste für Baden-Württemberg etwa stammt aus dem Jahr 2000.
Alle Wildbienen sind besonders geschützt
Rechtlich ist die Lage eindeutig. Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung führt „Apoidea spp., Bienen und Hummeln” als besonders geschützt. Domestizierte Formen sind ausdrücklich ausgenommen, die Verordnung nennt die Honigbiene als Beispiel. Für alle Wildbienen gilt deshalb § 44 Absatz 1 Bundesnaturschutzgesetz: Es ist verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten und ihre Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Ein Hummelnest im Gartenhaus oder eine Sandbienenkolonie im Rasen dürfen Sie also nicht einfach beseitigen. In Konfliktfällen ist die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises zuständig.
Die Ursachen
Fachleute nennen eine Reihe von Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:
- Verlust von Nistplätzen: versiegelte und aufgeräumte Flächen, verfüllte Sandgruben, verschwundene Lösswände, Totholz, das als unordentlich gilt.
- Weniger Blüten: intensiv gedüngtes Grünland mit früher und häufiger Mahd, ausgeräumte Feldfluren, artenarme Rasen.
- Pflanzenschutzmittel: Insektizide wirken direkt, Herbizide nehmen den Bienen die Ackerwildkräuter.
- Verlust von Wirtspflanzen, der Spezialisten besonders hart trifft.
- Klimawandel: Er verschiebt Blüte- und Flugzeiten und begünstigt wärmeliebende Arten, während Arten kühler Lebensräume unter Druck geraten.
Die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung nennt als nachgewiesene Bedrohungen unter anderem Lebensraumverlust und Zerschneidung, fehlende Nistplätze, Überdüngung magerer Standorte, Klimawandel und Insektizide.
Was sagt die Krefelder Studie über Bienen?
Kaum eine Studie hat die Debatte in Deutschland so geprägt wie die Arbeit von Caspar Hallmann und Kollegen, zu denen Mitglieder des Entomologischen Vereins Krefeld gehören (PLoS ONE, 2017). Ehrenamtliche Entomologen hatten von 1989 bis 2016 an 63 Standorten in Schutzgebieten, überwiegend in Nordrhein-Westfalen, Malaisefallen nach einem standardisierten Verfahren aufgestellt.
Was die Studie zeigt: Die Biomasse der Fluginsekten sank in 27 Jahren über die Saison um 76 Prozent, im Hochsommer um 81,6 Prozent. Und das in Schutzgebieten; 37 der 63 Standorte liegen in Natura-2000-Gebieten.
Was sie nicht zeigt:
- Gewogen wurde die Gesamtmasse aller Insekten in der Falle, nicht die Zahl der Arten oder Individuen.
- Es gibt keine eigenen Daten zu Bienen oder anderen Gruppen. Bienen kommen nur in der Literaturübersicht vor, über andere Studien.
- Die Ursachen hat die Studie nicht direkt gemessen. Wetter und Veränderungen der Vegetation an den Standorten erklärten den Rückgang nicht; die Autoren halten die intensive Landwirtschaft im Umfeld für plausibel, aber nicht belegt.
Wer also schreibt, „76 Prozent der Bienen sind verschwunden”, gibt die Studie falsch wieder. Für Wildbienen ist die Rote Liste die bessere Quelle. Die Krefelder Proben sind archiviert, damit künftig die Arten bestimmt werden können.
Wie Deutschland reagiert hat
Die Studie löste politische Schritte aus:
- Aktionsprogramm Insektenschutz: Das Bundeskabinett beschloss es am 4. September 2019. Laut NABU stellte der Bund 100 Millionen Euro pro Jahr für Forschung, Monitoring und Schutzmaßnahmen bereit.
- Insektenschutzgesetz: Seit dem 1. März 2022 sind nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz artenreiches Grünland, Streuobstwiesen, Steinriegel und Trockenmauern als gesetzlich geschützte Biotope dazugekommen. In Naturschutzgebieten sind neue Straßenbeleuchtungen und beleuchtete Werbeanlagen grundsätzlich verboten, Insektenfallen mit künstlichem Licht können untersagt werden.
- Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung: Seit dem 8. September 2021 dürfen Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nicht näher als 10 Meter an Gewässern ausgebracht werden, bei ganzjährig begrünten Streifen 5 Meter. In Naturschutzgebieten, Nationalparks, gesetzlich geschützten Biotopen und FFH-Gebieten gelten Verbote für Herbizide und bestimmte Insektizide, mit Ausnahmen etwa für Gartenbau, Obst-, Wein- und Hopfenbau sowie für Ackerbau in FFH-Gebieten, die nicht zugleich Naturschutzgebiet oder Nationalpark sind.
Bundesweites Wildbienen-Monitoring
Lange fehlten in Deutschland systematische Daten über Wildbienentrends. Im Rahmen des Monitorings der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften (MonViA) hat das Thünen-Institut in einer fünfjährigen Pilotphase von 2019 bis 2023 ein nationales Wildbienen-Monitoring erprobt. Die Umsetzungsphase läuft von 2024 bis 2029. Geplant sind 950 Untersuchungsgebiete von je 3 mal 3 Kilometern mit je sechs Standorten für standardisierte Nisthilfen. Viele Standorte betreuen Ehrenamtliche, die eine Nisthilfen-Patenschaft übernehmen; Freiwillige gehen außerdem monatlich Hummel-Transekte ab. Wer mitmachen will, findet die Anmeldung beim Thünen-Institut.
Konkurrieren Honigbienen mit Wildbienen?
Kein Thema wird zwischen Imkern und Naturschützern in Deutschland so heftig diskutiert. Die Ausgangslage: Ein Honigbienenvolk sammelt in einer Saison große Mengen Pollen und Nektar. Wenn viele Völker auf ein knappes Blütenangebot treffen, bleibt für andere Bestäuber weniger übrig. Ob das Wildbienenbestände tatsächlich verringert, hängt stark vom Ort ab.
Was die Studien zeigen
- Côte Bleue, Südfrankreich: Mickaël Henry und Guy Rodet (Scientific Reports, 2018) untersuchten ein Mittelmeer-Buschland mit bis zu 830 Völkern an 28 Ständen während der Rosmarinblüte, mehr als 14 Völker je Quadratkilometer. Bis etwa 900 Meter um die Stände sank die Präsenz der Wildbienen um 55 Prozent, ihr Sammelerfolg an Nektar bis etwa 600 Meter um 50 Prozent. Die Autoren betonen, dass die Schwellen für jeden anderen Ort neu zu prüfen sind.
- Literaturübersicht: Rachel Mallinger und Kollegen (PLoS ONE, 2017) werteten 146 Studien aus. Von denen zur Konkurrenz fanden 53 Prozent negative Effekte auf Wildbienen, 28 Prozent keine und 19 Prozent gemischte. Bei der Übertragung von Krankheitserregern berichteten 70 Prozent mögliche negative Effekte.
- Berlin: Ein Team der TU Berlin um Ingo Kowarik untersuchte im Auftrag des Senats 49 Magerrasen in Berlin und Brandenburg sowie elf Modellflächen mit Völkern in 10 bis 120 Metern Abstand. Ergebnis: Eine Konkurrenz ließ sich nicht nachweisen, kritische Abstände fanden sich nicht. Wildbienen profitierten vor allem von Deckung und Artenzahl blühender Kräuter. Die Autoren betonen, dass das nur für blütenreiche Magerrasen gilt und Konkurrenz in anderen Lebensräumen anders ausfallen kann. Die Zahl der Honigbienenvölker in Berlin hatte sich in zehn Jahren auf etwa 8.170 im Jahr 2017 ungefähr verdreifacht.
Die deutschen Positionen
Die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung (AGIB) mit Sitz am LAVES Celle hält in ihrer Stellungnahme, einer Antwort auf das Positionspapier „Wildbienen first“ von 2018, fest, dass massenhaft aufgestellte Völker Blütenbesuch und Pflanzenwahl der Wildbienen beeinflussen. Ob das dauerhafte Folgen für Populationen hat, sei offen. Honigbienen sollten nicht generell aus Naturgebieten verbannt werden, eine Begrenzung der Völkerzahl könne im Einzelfall helfen, müsse aber weiter untersucht werden. Eine Konfrontation zwischen Naturschützern und Imkern verbessere die Lage nicht.
Im Deutschen Imkerbund (DIB) argumentiert Präsidiumsmitglied August-Wilhelm Schinkel, von einer generellen Nahrungskonkurrenz könne nicht ausgegangen werden; Probleme seien nur bei ungleicher Verteilung und eventuell mangelnder Pollenqualität vorstellbar. Honigbienenverbotszonen schadeten mehr, als sie nützten.
Naturschützer und viele Wildbienenkundler sehen das kritischer, vor allem für Schutzgebiete mit seltenen Arten und für Städte, in denen die Zahl der Völker rasch gestiegen ist. Paragrafen gegen Honigbienen gibt es bundesweit nicht. Auflagen können sich aber aus einzelnen Schutzgebietsverordnungen ergeben; zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde, wie im Beitrag zum Standort des Bienenstands beschrieben.
Unsere Einordnung
Die Belege sind solide für einen Punkt: Wo sehr viele Völker auf ein begrenztes Angebot treffen, verdrängen sie Wildbienen von den Blüten. Für die Frage, ob Wildbienenpopulationen dadurch schrumpfen, sind die Daten dünner und widersprüchlich. Ein oder zwei Völker im Hausgarten einer blütenreichen Vorstadt sind kein Problem; zwanzig Völker am Rand eines kleinen Trockenrasens mit Rote-Liste-Arten können eines sein. Für Imker heißt das:
- Völkerzahl an das Trachtangebot anpassen, nicht umgekehrt.
- Sensible Schutzgebiete und kleine, isolierte Lebensräume seltener Arten meiden oder vorher mit der Naturschutzbehörde sprechen.
- In Städten mit vielen Ständen kein weiteres Volk dazustellen.
- Selbst Blüten schaffen, statt nur zu teilen, siehe bienenfreundliche Pflanzen.
Wer sich für die Honigbiene als heimische Art interessiert, findet im Beitrag zu den Bienenrassen mehr über Carnica, Buckfast und die Dunkle Biene.
Wie baue ich eine Nisthilfe richtig?
Nisthilfen, oft als Insektenhotel verkauft, sind beliebt, aber viele Modelle aus dem Baumarkt taugen wenig. Sie helfen nur Arten, die oberirdisch in Hohlräumen nisten. Laut Thünen-Institut wurden in Deutschland 42 hohlraumnistende Wildbienenarten und neun Kuckucksbienenarten in künstlichen Nisthilfen nachgewiesen, ein kleiner Ausschnitt aus 600 Arten.
Was funktioniert
Der NABU empfiehlt in seinen Tipps für wirksame Nisthilfen:
| Element | Empfehlung |
|---|---|
| Holz | entrindetes, gut abgelagertes Hartholz, etwa Esche; kein frisches Holz, das beim Trocknen reißt |
| Bohrrichtung | ins Längsholz, also quer zur Faser von der Seite; ins Hirnholz nur bei gut abgelagertem Laubholz, weil sonst Risse entstehen |
| Lochdurchmesser | 3 bis 8 Millimeter, gemischt |
| Lochabstand | etwa 1 bis 2 Zentimeter, bei großen Löchern mehr |
| Bohrtiefe | so tief wie der Bohrer lang ist, nie durchbohren |
| Oberfläche | Bohrgänge glatt, ausgefranste Fasern am Eingang abschleifen, Bohrmehl ausklopfen |
| Stängel | markhaltige Stängel wie Brombeere oder Königskerze senkrecht und einzeln aufstellen, nicht waagerecht gebündelt |
| Standort | sonnig, regen- und windgeschützt, fest montiert, nicht pendelnd, freie Anflugschneise |
| Vogelschutz | blaues Kunststoffnetz mit 3 mal 3 Zentimeter Maschen etwa 20 Zentimeter vor der Nisthilfe |
Die Nisthilfe bleibt auch im Winter draußen: In den Gängen überwintert die nächste Generation.
Was nicht funktioniert
- Tannenzapfen, Stroh, Holzwolle und lose Füllungen: Sie sehen hübsch aus, werden aber kaum von Bienen besiedelt. Sie bieten eher Ohrwürmern und Spinnen Unterschlupf.
- Loch- und Hohlziegel: Laut NABU werden sie nicht besiedelt. Besser sind Strangfalzziegel.
- Glas- und Acrylröhrchen: Die Brut kann darin verschimmeln.
- Bohrungen ins Hirnholz von Frischholz: Das Holz reißt, Feuchtigkeit und Parasiten dringen ein.
- Lehmwände aus Weidenruten für Bodennister: Der Lehm ist meist zu hart.
- Riesige Hotels: Viele Brutzellen auf engem Raum ziehen Parasiten und Pilze an. Mehrere kleine Nisthilfen sind besser als ein großes Hotel.
Wie helfe ich Wildbienen im Garten?
Die wirksamsten Maßnahmen sind einfach und kosten wenig.
- Offenen Boden schaffen. Lassen Sie an sonnigen Stellen Flächen unbewachsen: eine Wegkante, eine Böschung, eine Fuge zwischen Pflastersteinen. Auch eine besonnte Fläche aus ungewaschenem, leicht lehmigem Sand kann besiedelt werden. Nicht hacken oder umgraben, wo Bienen nisten, auch nicht im Winter, denn dann liegen die Brutzellen im Boden.
- Heimische Blütenpflanzen setzen, vom Frühjahr bis in den Herbst: Weiden, Obstbäume, Wiesensalbei, Natternkopf, Glockenblumen, Witwenblumen, Gilbweiderich, Hornklee, Thymian, Efeu. Ungefüllte Blüten wählen; in der Studie „Garden flowers“ von Comba und Kollegen (Annals of Botany 83, 1999) besuchten Hummeln die einfachen Formen von Stockrose und Feldrittersporn (Consolida) häufiger als gefüllte Sorten.
- Spezialisten gezielt fördern. Wer Glockenblumen pflanzt, kann Scherenbienen anlocken, wer Gilbweiderich am Teichrand setzt, vielleicht Schenkelbienen. Westrichs Staudenliste nennt die Wirtspflanzen.
- Später und seltener mähen. Rasen nicht alle Wochen kurz halten. Mähen Sie Teilflächen zeitversetzt und lassen Sie einen Streifen bis zum nächsten Jahr stehen. So bleibt immer etwas in Blüte.
- Stängel und Totholz stehen lassen. Dürre Stängel von Brombeere, Königskerze oder Disteln bis zum Frühjahr nicht abschneiden. Ein besonnter Stamm oder alte Obstbaumäste helfen Holzbienen. Das LfU rät ausdrücklich, Totholz in Obstbäumen nicht herauszuschneiden.
- Keine Insektizide und Herbizide. Auch Hausmittel gegen Blattläuse treffen Bienen, wenn sie auf Blüten landen.
- Weniger düngen. Magere Böden tragen mehr Blüten.
- Lehm und Steilkanten anbieten. Feuchter Lehm in einer offenen Schale hilft Mauerbienen beim Nestbau.
- Nisthilfen nur ergänzend aufhängen, und richtig gebaut.
Für Flächen außerhalb des Gartens gelten Regeln. In der freien Natur, also an Feld- und Wegrändern außerhalb von Siedlungen, darf nach § 40 Bundesnaturschutzgesetz seit dem 2. März 2020 nur gebietseigenes Saatgut ohne Genehmigung ausgebracht werden. Landwirte können Blühstreifen über die Öko-Regelung 1b der GAP-Direktzahlungen-Verordnung fördern lassen, 2026 mit zusätzlich 200 Euro je Hektar auf der Brache der Öko-Regelung 1a, bei Aussaat bis zum 15. Mai und ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das Drüsige Springkraut ist zwar eine starke Bienenweide, steht aber seit 2017 auf der EU-Unionsliste invasiver Arten und darf nicht ausgesät werden. Die Details stehen im Beitrag zu bienenfreundlichen Pflanzen.
Welche Rolle spielen Pestizide und Klimawandel?
Neonikotinoide
Neonikotinoide sind systemisch wirkende Insektizide, die sich in der ganzen Pflanze verteilen und auch in Pollen und Nektar gelangen können. Mit den Durchführungsverordnungen (EU) 2018/783, 2018/784 und 2018/785 hat die EU 2018 die Freilandanwendung von Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam verboten; erlaubt blieb nur der Einsatz in dauerhaften Gewächshäusern.
Danach wurden in mehreren EU-Staaten Notfallzulassungen für gebeiztes Zuckerrübensaatgut beantragt, weil Blattläuse Vergilbungsviren übertragen. Laut Bericht des Bundestags-Agrarausschusses vom 16. Dezember 2020 (Drucksache 19/25355) hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einen Antrag aus Nordrhein-Westfalen für Thiamethoxam-gebeiztes Rübensaatgut nach Artikel 53 der EU-Pflanzenschutzverordnung genehmigt; Notfallzulassungen gelten höchstens 120 Tage. Der Europäische Gerichtshof entschied am 19. Januar 2023 (Rechtssache C-162/21), dass Notfallzulassungen für das Inverkehrbringen und die Aussaat von Saatgut, das mit ausdrücklich verbotenen Wirkstoffen gebeizt ist, unzulässig sind. Damit ist dieser Weg verschlossen.
Für Wildbienen bleiben Pflanzenschutzmittel trotzdem ein Thema: Andere Insektizide sind zugelassen, und Herbizide nehmen ihnen Ackerwildkräuter. Verdachtsfälle von Bienenvergiftungen bei Honigbienen untersucht in Deutschland das Julius Kühn-Institut. Verluste bei Wildbienen bleiben dagegen meist unbemerkt.
Klimawandel: Gewinner und Verlierer
Der Klimawandel verändert die deutsche Bienenfauna sichtbar. Wärmeliebende Arten wie die Blauschwarze Holzbiene und die Efeu-Seidenbiene breiten sich nach Norden aus, und das Rote-Liste-Zentrum nennt die Zuwanderung solcher Arten als einen Grund, warum die Artenzahl gestiegen ist. Als mögliche Verlierer gelten Arten kühler und feuchter Lebensräume, etwa in Mooren und in den Hochlagen von Mittelgebirgen und Alpen. Früher einsetzende Blüte kann außerdem dazu führen, dass Spezialisten und ihre Wirtspflanzen zeitlich nicht mehr zusammenpassen. Trockene Sommer verringern das Nektarangebot gerade dann, wenn viele Hummelvölker am größten sind.
Für Gartenbesitzer heißt das: Pflanzen für den Hochsommer wählen, die Trockenheit vertragen, etwa Thymian, Oregano, Natternkopf und Wilde Malve, und offene Bodenstellen nicht wässern, denn viele Bodennister bevorzugen trockene, warme Stellen.
Häufige Fragen
Wie viele Wildbienenarten gibt es in Deutschland?
Die Checkliste, die im September 2023 in der Fachzeitschrift Anthophila erschien, führt 604 aktuell oder ehemals heimische Bienenarten, ohne die Honigbiene. Die Rote Liste von 2011 hatte noch 561 Arten gezählt, darunter 41 Hummelarten. Der Zuwachs geht auf Forschungsfortschritte zurück, aber auch auf wärmeliebende Arten, die mit dem Klimawandel aus dem Süden einwandern.
Stechen Wildbienen?
Einen Stachel haben nur die Weibchen, und bei vielen kleinen Arten ist er zu schwach für die menschliche Haut. Solitäre Wildbienen verteidigen weder Volk noch Vorräte und stechen praktisch nie. Hummeln stechen höchstens, wenn man sie drückt oder ihr Nest stört. Die Männchen der Mauerbienen, die im Frühjahr vor der Nisthilfe patrouillieren, haben gar keinen Stachel.
Darf ich ein Wildbienennest im Garten entfernen?
Nein, nicht ohne Weiteres. Alle heimischen Bienen und Hummeln sind nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Paragraf 44 Bundesnaturschutzgesetz verbietet, sie zu fangen, zu töten oder ihre Fortpflanzungsstätten zu zerstören. Ein Hummelnest im Schuppen bleibt also, wo es ist. In echten Konfliktfällen hilft die Untere Naturschutzbehörde oder ein Hummelberater der Naturschutzverbände.
Ist ein Insektenhotel sinnvoll?
Es hilft nur einem Teil der Arten. Laut Thünen-Institut legt rund ein Viertel der heimischen Wildbienen ihre Nester oberirdisch in Hohlräumen an, nur diese Arten nutzen Nisthilfen. Wirksam sind Bohrungen in abgelagertem Hartholz, quer zur Faser, mit glatten Wänden und ohne Risse. Tannenzapfen, Lochziegel und lose Füllungen locken kaum Bienen an. Offener Boden hilft mehr Arten.
Machen Wildbienen Honig?
Nicht im Sinne des Imkers. Eine solitäre Wildbiene formt in jeder Brutzelle einen Proviant aus Pollen und Nektar, legt ein Ei darauf und verschließt die Zelle. Hummeln speichern etwas Nektar in kleinen Wachstöpfchen, genug für schlechtes Wetter. Erntbare Honigvorräte legt in Deutschland nur die Honigbiene Apis mellifera an, die in Völkern überwintert.
Schadet meine Honigbiene den Wildbienen?
Ein paar Völker in einer blütenreichen Landschaft schaden kaum. Problematisch wird es bei vielen Völkern auf knappen Blüten. In Südfrankreich sank die Präsenz der Wildbienen bei sehr hoher Völkerdichte bis 900 Meter um die Bienenstände um 55 Prozent. Eine Berliner Studie auf Magerrasen fand dagegen keinen Nachweis für Konkurrenz. Der Standort entscheidet.
Welche ist die größte Wildbiene in Deutschland?
Die Blauschwarze Holzbiene, Xylocopa violacea, mit etwa drei Zentimetern Körperlänge. Sie ist schwarz mit blau schimmernden Flügeln, nagt ihre Gänge in morsches Totholz und überwintert als fertige Biene. Früher kam sie vor allem in Süddeutschland vor, inzwischen ist sie bis in den Norden verbreitet. Trotz lauten Brummens ist sie sehr friedlich.
Was ist eine oligolektische Wildbiene?
So heißen Arten, die Pollen nur von einer Pflanzenfamilie oder Gattung sammeln. Die Knautien-Sandbiene braucht Witwenblumen, die Auen-Schenkelbiene Gilbweiderich, mehrere Scherenbienen Glockenblumen, die Efeu-Seidenbiene Efeu. Fehlt die Pflanze, fehlt die Biene, auch wenn ringsum andere Blumen blühen. Deshalb hilft es, gezielt heimische Wirtspflanzen in Gärten, Parks und öffentlichen Grünflächen zu pflanzen.
Quellen
- Neue Checkliste für deutsche Wildbienen erschienen: Artenzahl jetzt über 600, Rote-Liste-Zentrum
- Info zum Weltbienentag: Fast die Hälfte der Bienenarten Deutschlands ist bestandsgefährdet (20. Mai 2025), Rote-Liste-Zentrum
- Pressehintergrund: Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands, Band 3 Wirbellose Tiere (Teil 1), Bundesamt für Naturschutz
- Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV), Anlage 1: Besonders und streng geschützte Arten, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), § 44 Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Wildbienen in Dörfern: Lebensweise, Arten, Gefährdung (Wildbienen Band 1, Oktober 2021), Bayerisches Landesamt für Umwelt und Universität Würzburg (S. Schröck et al.)
- Wildbienenförderung in Gärten und Parks mit Stauden (8. Auflage, 2025), Paul Westrich, wildbienen.info
- Wie tief im Boden liegen die Brutzellen der Efeu-Seidenbiene Colletes hederae? (Eucera 9, 2015), Paul Westrich, wildbienen.info
- Wildbiene des Jahres 2024: Blauschwarze Holzbiene (Medieninformation, 13. Juni 2024), Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, Projekt Blütenbunt-Insektenreich
- More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas (PLoS ONE 12, e0185809, 2017), C. A. Hallmann et al., Entomologischer Verein Krefeld und Radboud-Universität Nijmegen
- Insekten schützen: Weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen, Die Bundesregierung
- Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen (4. September 2019), NABU
- Methodische Entwicklungen für die Umsetzung eines nationalen Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften: Fazit nach 5-jähriger Pilotphase (April 2025), Thünen-Institut für Biodiversität
- Tipps für wirksame Wildbienen-Nisthilfen, NABU
- Controlling the impact of the managed honeybee on wild bees in protected areas (Scientific Reports 8, 9308, 2018), M. Henry und G. Rodet, INRA Avignon
- Do managed bees have negative effects on wild bees? A systematic review of the literature (PLoS ONE, 2017), R. E. Mallinger, H. R. Gaines-Day und C. Gratton
- Unterstützung der Berliner Bienenstrategie durch Optimierung des Wildbienenschutzes, Teil 2: Führt die Förderung von Honigbienen zur Konkurrenz mit Wildbienen in Berlin? (Januar 2021), Technische Universität Berlin (A. Gathof, I. Kowarik et al.) für die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
- Stellungnahme zur Konkurrenz zwischen Wildbienen und Honigbienen, Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung, c/o LAVES Institut für Bienenkunde Celle
- Zum Miteinander von Wild- und Honigbienen (A.-W. Schinkel, 2026), Deutscher Imkerbund
- Beschlussempfehlung und Bericht zum Antrag Notfallzulassung für Neonikotinoide ermöglichen (Drucksache 19/25355, 16. Dezember 2020), Deutscher Bundestag, Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft
