

Warré-Beute: Maße, Selbstbau, Betriebsweise, Varroa und Rechtslage in Deutschland
Warré-Beute in Deutschland: Zargenmaße 300 × 300 × 210 mm, Selbstbau, Erweitern von unten, Ameisen- und Oxalsäure, Ernte und was die BienSeuchV verlangt.
Die Warré-Beute ist eine senkrechte Beute aus kleinen, gleich großen Zargen mit 300 × 300 mm lichter Weite und 210 mm Höhe. Die Bienen bauen ihre Waben frei an Oberträgern, ohne Rähmchen und ohne Mittelwände. Erweitert wird von unten, geerntet von oben, das Brutnest wird kaum geöffnet. In Deutschland ist sie erlaubt, denn die Bienenseuchen-Verordnung schreibt kein Beutensystem vor. Anzeige beim Veterinäramt, jährliche Varroabehandlung und amtliche Untersuchungen gelten aber genauso wie für ein Zander-Magazin, und genau dort liegen die praktischen Hürden des Naturwabenbaus.
Was ist eine Warré-Beute?
Abbé Warré und die „Volksbeute“
Émile Warré (1867 bis 1951) war ein französischer Pfarrer und Imker. Nach eigenen Angaben in der 12. Auflage seines Buches hatte er 350 Beuten verschiedener Systeme in seinen Ständen, darunter Dadant, Layens und Strohkörbe, und verglich sie nach Arbeitsaufwand, Materialkosten, Wintervorrat und Ertrag. Daraus entstand seine „ruche populaire“, wörtlich Volksbeute: billig, einfach zu bauen und mit wenig Arbeit zu führen. Er beschrieb sie in „L’Apiculture pour tous“. Die 5. Auflage, 1923 in Tours erschienen, beschreibt die Volksbeute noch in drei Formen: mit festen Waben, mit gewöhnlichen Rähmchen und mit offenen Rähmchen mit geschlossenen Seitenteilen; die 12. Auflage von 1948 gilt heute als Referenz.
Im deutschen Sprachraum verbreitete sich die Warré-Imkerei erst nach 2010. Im November und Dezember 2010 erschienen gleich zwei Übersetzungen unter dem Titel „Bienenhaltung für Alle“, eine von Andreas Meisl, eine von Mandy Fritzsche. Bernhard Heuvel und Mandy Fritzsche veröffentlichten 2014 die Kurzanleitung „Imkern nach Warré“, Heuvel betreibt außerdem die Initiative Immenfreunde. Austausch findet vor allem im Imkerforum unter „Ökologische Bienenhaltung“ statt. Eine Statistik, wie viele Warré-Völker in Deutschland stehen, haben wir nicht gefunden.
Das Prinzip: ein schmales, hohes Brutnest
Warrés Überlegungen lassen sich in vier Punkten zusammenfassen:
- Schmaler Querschnitt. Ein Volk muss in der 30 × 30 cm großen Zarge nur rund 900 cm² Querschnitt warmhalten, in der Dadant nach Warrés Rechnung rund 2.000 cm².
- Wenige Eingriffe. Jede Durchsicht kühlt das Brutnest aus. Warré öffnete seine Beuten im Normalfall nur einmal im Jahr, zur Ernte.
- Dicke Dämmung oben. Ein etwa 10 cm hohes Kissen aus Stroh, Hobelspänen oder Laub liegt auf einem Tuch über den Oberträgern und nimmt Feuchtigkeit auf.
- Naturwabenbau. Keine Mittelwände: Zellgröße und Drohnenanteil bestimmen die Bienen.
Zwei Zargen ergeben zusammen rund 38 Liter. In diesem Raum sitzt das Volk im Winter, darüber und darunter wird in der Saison erweitert und geerntet.
Welche Maße hat die Warré-Beute?
Die folgenden Maße stammen aus der 5. Auflage von Warrés Buch und den metrischen Bauplänen von David Heaf, die auf der 12. Auflage beruhen. Entscheidend sind die Innenmaße; die Wandstärke darf variieren.
| Bauteil | Maß | Hinweis |
|---|---|---|
| Zarge, lichte Weite | 300 × 300 mm | streng einhalten |
| Zarge, Höhe | 210 mm | knapp 19 Liter |
| Wandstärke | mindestens 20 mm | Heaf empfiehlt 24 mm |
| Außenmaß | etwa 340 × 340 mm | bei 20 mm Brettern |
| Oberträger | 8 je Zarge, 24 mm breit | rund 10 mm stark |
| Abstand | 12 mm zwischen den Trägern und zur Wand | 36 mm Achsabstand |
| Kissen | etwa 100 mm hoch | Füllung aus Stroh, Spänen oder Laub |
| Tuch | Jute oder Leinen | liegt direkt auf den Oberträgern |
| Flugloch | Ausschnitt im Boden, Anflugbrett 160 mm | mit Mäusegitter im Winter |
Rechnen Sie nach: 8 Träger zu 24 mm und 9 Lücken zu 12 mm ergeben genau 300 mm. Schon wenige Millimeter mehr zwischen den Trägern führen zu Querbau und Wachsbrücken. Heuvel und Fritzsche geben in ihrer Anleitung dieselbe lichte Weite an, nennen 20 mm Brettstärke (18 mm gehen auch) und eine Bodenplatte von 335 × 335 mm.
Warré mit Rähmchen und Seitenteilen
Warré selbst entwarf eine Rähmchenvariante, gab sie aber wieder auf. In Deutschland arbeiten heute viele Warré-Imker mit Oberträgern, an die seitliche Leisten angesetzt sind, oder mit ganzen Rähmchen. So lassen sich Waben ziehen und Brut kontrollieren, ohne die Seitenwände freischneiden zu müssen. Holtermann führt Warré-Rähmchen von 320 × 200 mm mit Hoffmann-Seitenteilen, gedrahtet, im Oktober 2026 für 1,19 Euro je Stück bei Abnahme von mindestens 20 Stück. Puristen halten das für keine echte Warré mehr; für die Bienengesundheit und die Rechtslage (siehe unten) ist es ein großer Gewinn.
Warré, Bienenkiste, Einraumbeute: naturnahe Imkerei in Deutschland
Die Warré-Beute ist in Deutschland nur ein Teil einer breiteren Bewegung. Prägend war der Verein Mellifera e.V. Dessen damaliger geschäftsführender Vorstand Thomas Radetzki wurde 2011 zum Apisticus des Jahres gewählt; die Begründung hob ausdrücklich hervor, dass er an der Entwicklung der Demeter-Richtlinien zur wesensgemäßen Bienenhaltung maßgeblich beteiligt war.
Was „wesensgemäß“ bedeutet
Einen verbindlichen Standard gibt es nicht. Die LWG in Veitshöchheim veröffentlicht Kriterien eines Arbeitskreises ihres Freundeskreises und betont, dass es sich um „keine klar definierte Betriebsweise“ handelt. Genannt werden unter anderem Beuten aus natürlichen Materialien, reiner Naturwabenbau, wenige Völker je Stand, keine Eingriffe ins Brutnest, keine Schwarmverhinderung, Ernte nur des Überschusses, Überwinterung auf eigenem Honig und Varroabehandlung mit natürlichen Stoffen oder biotechnischen Verfahren. Ausdrücklich hält die LWG fest, dass rechtliche Vorgaben zur Bienengesundheit Eingriffe erfordern können.
Demeter: Naturbau im Brutraum ist Pflicht
Wer Demeter-Honig erzeugen will, muss die Verbandsrichtlinien erfüllen. Laut Umstellungsplan von Demeter Beratung (Stand 12.2021) werden die Brutwaben während der drei Umstellungsjahre von Mittelwänden auf Naturbau umgestellt, nach dem ersten Jahr müssen mindestens 30 % Naturwaben sein. Mittelwände sind nur im Honigraum erlaubt und sollen auch dort möglichst entfallen. Vermehrt wird ausschließlich aus dem Schwarmtrieb, Völker und Königinnen dürfen ohne Ausnahmegenehmigung nur aus Demeter-Imkereien zugekauft werden. Eine Warré-Beute aus unbehandeltem Holz erfüllt die Wabenvorgaben von Natur aus.
Die deutschen Verwandten der Warré
| Beute | Bauform | Waben | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Warré-Beute | senkrechter Stapel kleiner Zargen | Naturbau an Oberträgern | Erweiterung von unten |
| Bienenkiste (E. M. Klein) | liegende Kiste, Trennschied | Naturbau an Leisten | Kontrolle durch Kippen, sehr extensiv |
| Mellifera-Einraumbeute | Trogbeute mit Hochwaben | Naturbau in Rähmchen | Wabenfläche wie Dadant, alle Waben ziehbar |
| Top-Bar-Hive | liegend, schräge Wände | Naturbau an Oberträgern | wabenweises Arbeiten |
Für die Bienenkiste dokumentiert Erhard Maria Klein Bau und Betreuung ausführlich auf bienenkiste.de, Mellifera organisiert Kurse und ein Netzwerk. Die Einraumbeute kostet im Mellifera-Shop im Oktober 2026 495 Euro inklusive 21 Rähmchen, Blechdeckel und Leinölfirnis zum Selbststreichen. Einen Vergleich aller Systeme mit Maßen und Preisen finden Sie unter Beutensysteme.
Ist die Warré-Beute in Deutschland erlaubt?
Ja. Die Bienenseuchen-Verordnung (BienSeuchV, Neufassung 2004, zuletzt geändert 2014) enthält keine Vorschrift über Rähmchen, bewegliche Waben oder Mobilbau. Das Wort „beweglich“ taucht nur bei beweglichen Bienenständen auf. Für die Warré-Beute gelten aber alle Pflichten, die für jedes Bienenvolk gelten:
- Anzeige (§ 1a): Spätestens bei Beginn der Bienenhaltung zeigen Sie Anzahl der Völker und Standort beim zuständigen Veterinäramt an. Ob zusätzlich die Tierseuchenkasse informiert werden muss, regeln die Länder unterschiedlich, etwa mit Stichtag 31. Januar in Nordrhein-Westfalen. Einzelheiten stehen in unserem Beitrag Bienen anmelden.
- Mitwirkung (§ 4): Bei amtlichen Untersuchungen müssen Sie die erforderliche Hilfe leisten.
- Verbringen (§ 5): Wer Völker an einen anderen Ort bringt, braucht eine amtstierärztliche Bescheinigung, dass die Bienen frei von Amerikanischer Faulbrut befunden wurden.
- Leere Beuten (§ 6): Unbesetzte Bienenwohnungen sind bienendicht verschlossen zu halten, das gilt auch für eingelagerte Warré-Zargen mit Wabenresten.
- Sperrbezirk (§ 11): Bei Amerikanischer Faulbrut werden alle Völker im Sperrbezirk unverzüglich amtstierärztlich untersucht.
- Varroa (§ 15): Bei Varroabefall sind alle Völker eines Standes jährlich zu behandeln. Eine Warré ohne Behandlung, wie sie in Foren mitunter propagiert wird, verstößt gegen diese Pflicht.
Seit dem 11. März 2026 gilt außerdem die Tierseuchenmeldeverordnung. Meldepflichtig sind bei Bienen die Amerikanische Faulbrut, der Kleine Beutenkäfer, die Tropilaelaps-Milbe und die Varroose. Wie die Länder die Varroa-Meldung umsetzen, ist unterschiedlich; Niedersachsen etwa hält Meldungen der Imker für entbehrlich. Jede Behandlung mit Tierarzneimitteln gehört ins Bestandsbuch, auch frei verkäufliche Säuren.
Das eigentliche Problem: die Brutkontrolle
Rechtlich erlaubt heißt nicht problemlos. Die LWG ordnet Beuten mit fest an die Wände gebauten Waben dem Stabilbau zu und warnt: „Kontrolle und Behandlung von Krankheiten stark eingeschränkt!“ Bei Mischformen, deren Waben an Wachsbrücken hängen, sei „Wabenabriss bei hohen und kalten Temperaturen möglich“. Eine reine Warré mit festgebauten Waben gehört dazu.
Bei einem Faulbrutverdacht im Sperrbezirk muss der Amtstierarzt oder Bienensachverständige die Brut beurteilen können. In der Warré ohne Rähmchen heißt das: Waben von den Wänden lösen, oft beschädigen. Unsere Empfehlung: Bauen Sie mindestens in den Brutzargen Oberträger mit Seitenteilen oder Rähmchen ein und schneiden Sie die Waben vor einer angekündigten Untersuchung nicht erst unter Zeitdruck frei. Sprechen Sie Ihr Veterinäramt schon bei der Anzeige darauf an. Die Streichholzprobe und die Futterkranzprobe sollten Sie als Warré-Imker besonders gut kennen.
Wie arbeitet man mit der Warré-Beute?
Erweitern von unten
Im Zander-Magazin kommt der Honigraum oben auf. In der Warré wird die leere Zarge unter das Volk gesetzt, direkt auf den Boden. Die Bienen bauen ihre Waben nach unten weiter, die Königin folgt dem Brutnest nach unten, und der Honig sammelt sich oben. Vorteile:
- Das Brutnest wird beim Erweitern nicht geöffnet: Stapel anheben, Zarge unterschieben, absetzen.
- Das Wabenwerk erneuert sich von selbst. Alte Brutwaben wandern nach oben in den Erntebereich und werden mit dem Honig entnommen.
- Warré schrieb, man könne mehrere Zargen auf einmal untersetzen, weil die Wärme des Brutnests dabei nicht entweicht.
Der Zeitpunkt lässt sich von unten ablesen: Reichen die Waben bis ins untere Drittel der untersten Zarge, kommt die nächste darunter, möglichst vor Trachtbeginn. Die Oberträger der neuen Zarge müssen in dieselbe Richtung zeigen wie die darüber, sonst entsteht Querbau.
Der Haken ist das Gewicht. Gehoben wird immer der ganze Stapel über der neuen Zarge, und der kann im Sommer mehrere Dutzend Kilo wiegen. Viele Warré-Imker arbeiten zu zweit oder mit einem Beutenheber. Das ist ein klarer Unterschied zur Trogbeute oder Bienenkiste.
Das Warré-Jahr in Deutschland
| Zeitraum | Arbeit |
|---|---|
| Februar, März | Beute hinten anheben und Gewicht schätzen, Flugloch prüfen, Windel für Gemülldiagnose einschieben |
| April, Mai | Von unten mit Spiegel oder durch Kippen nachsehen, erste Zarge untersetzen; im Tiefland mit Rapstracht früher als im Mittelgebirge |
| Mai, Juni | Schwarmzeit: Raum geben, Schwärme fangen und einlogieren |
| Juni, Juli | Linden- und je nach Region Waldtracht, bei starkem Bautrieb weiter untersetzen |
| Mitte bis Ende Juli | Ernte der oberen, verdeckelten und brutfreien Zargen |
| Ende Juli bis September | Varroabehandlung mit Ameisensäure, Futterkontrolle, leere untere Zargen entfernen |
| Oktober bis Dezember | Auf zwei Zargen einwintern, Kissen trocken halten, Mäusegitter, Restentmilbung im brutfreien Volk |
Die Schwarmzeit spielt in der Warré-Imkerei eine größere Rolle als im Magazin, weil sich Völker ohne bewegliche Waben kaum durch Ableger vermehren lassen. Hinweise zum Schwärmen und Einfangen gibt unser Beitrag zur Schwarmzeit.
Einwintern auf zwei Zargen
Die Warré überwintert auf zwei Zargen. Die Wintertraube sitzt im Herbst unten und zehrt sich im Lauf des Winters nach oben in die Futtervorräte. Warré rechnete für seine Beute mit rund 12 kg Wintervorrat, deutlich weniger als für eine Dadant. Wichtig sind drei Dinge:
- Das Kissen muss trocken sein. Feuchte Füllung dämmt nicht mehr und schimmelt; tauschen Sie sie im Herbst aus.
- Flugloch verengen und ein Mäusegitter einsetzen, das bis zum Frühjahr bleibt.
- Futter durch Anheben schätzen. Wer im Spätwinter eine leichte Beute hat, legt Futterteig auf die Oberträger unter das Tuch.
Warré-Beute selbst bauen
Die Warré wurde für den Selbstbau entworfen. Ein Bauplan, gutes Brettholz und eine Kreissäge genügen.
Material
- Unbehandelte Bretter aus Fichte, Kiefer oder Weymouthskiefer, 20 bis 24 mm stark
- Leisten für die Oberträger, etwa 24 × 10 mm
- Griffleisten, etwa 20 × 20 mm
- Verzinkte Nägel oder Schrauben, wasserfester Holzleim
- Jutetuch, Füllung für das Kissen
- Sauberes Bienenwachs für die Anfangsstreifen
Arbeitsschritte
- Seitenteile zuschneiden, sodass innen exakt 300 × 300 mm und 210 mm Höhe entstehen. Rechtwinkligkeit prüfen; schiefe Zargen stapeln sich nicht dicht.
- Falz fräsen an zwei gegenüberliegenden Oberkanten, damit die Oberträger bündig aufliegen.
- Zarge verleimen und nageln, Griffleisten an zwei Seiten anbringen, oben angeschrägt, damit kein Wasser stehen bleibt.
- Acht Oberträger je Zarge zuschneiden und mit einem Wachsstreifen oder einer Wachsraupe als Bauhilfe versehen. Bei Rähmchenvariante die Seitenteile ansetzen.
- Abstände sichern: 12 mm zwischen den Trägern und zur Wand, mit Abstandsnägeln oder leicht genagelt, damit nichts beim Transport verrutscht.
- Boden bauen: Flugloch als Ausschnitt im Boden, Anflugbrett. Ein Gitterboden mit Windel gehört nicht zum Original, ist für die Varroadiagnose aber in Deutschland unverzichtbar.
- Kissen bauen: Rahmen von etwa 100 mm Höhe, unten mit Jute bespannt, gefüllt mit Stroh, Spänen oder Laub.
- Dach bauen mit Luftraum über dem Kissen; ein Brett auf dem Kissen hält Mäuse fern.
- Außen streichen mit Leinöl oder Wachs, innen nie. Kesseldruckimprägniertes Holz ist tabu.
Bei 20 mm Holz braucht eine Zarge etwa 0,27 m² Brettfläche. Planen Sie nach Heuvel vier Zargen je Volk ein. Fertige Warré-Beuten führen in Deutschland unter anderem Holtermann und der Anbieter oekobeute.de von Andreas Meisl; Schleier, Smoker und Stockmeißel brauchen Sie wie bei jeder Beute.
Ein Warré-Volk ansiedeln
Am einfachsten gelingt der Start mit einem Naturschwarm, denn er bringt den Bautrieb mit. Heuvel rät, sich möglichst früh im Mai um einen Schwarm zu bemühen. Warré nannte etwa 2 kg Bienen als ausreichende Schwarmgröße. Den Schwarm schlagen Sie in zwei Zargen mit Anfangsstreifen ein, Kissen und Dach gleich aufsetzen. Kommt Schlechtwetter, hilft einige Tage dünnflüssiges Futter, laut LWG Zuckerwasser 1:1, weil der Wabenbau ohne Futterstrom stockt. Die Beute muss waagerecht stehen, sonst bauen die Bienen schräg zu den Trägern.
Heuvel empfiehlt außerdem, nicht mit weniger als drei Völkern zu beginnen und sich über den Imkerverein einen Paten zu suchen. Ein Kunstschwarm aus einem Zander-Volk geht ebenfalls, beim Kauf brauchen Sie das Gesundheitszeugnis des Herkunftsstandes.
Varroa in der Warré-Beute: Diagnose und Behandlung
Die Varroamilbe sitzt in jedem deutschen Bienenstand, auch im Naturwabenbau. Die LWG schreibt zwar, dass Naturbau unbelastetes Wachs liefert, eine Wirkung gegen die Milbe ist damit nicht verbunden. Auch kleinere Zellen helfen nicht: Seeley und Griffin verglichen 2011 sieben Paare von Völkern auf 4,8 mm und 5,4 mm Zellgröße und fanden über einen Sommer keinen Unterschied im Milbenbefall.
Befall messen ohne Öffnen
Der Gitterboden mit Windel ist das wichtigste Werkzeug des Warré-Imkers. Zählen Sie den natürlichen Milbenfall über mehrere Tage und rechnen Sie auf Milben pro Tag um. Die Schadschwellen der deutschen Bieneninstitute und die Puderzuckerprobe beschreibt unser Beitrag zur Varroa-Behandlung. Für die Puderzuckerprobe brauchen Sie Bienen von Brutwaben, die in der Warré nur mit Rähmchen oder Seitenteilen bequem zugänglich sind.
Sommer: Ameisensäure nach der Ernte
Zulässig sind nur zugelassene Tierarzneimittel nach Gebrauchsinformation. Technische Säuren aus dem Baumarkt sind verboten, auch wenn sie in manchen Anleitungen auftauchen. Die alte Standardzulassung „Ameisensäure 60 % ad us. vet.“ darf nur noch bis zum 29. Januar 2027 in Verkehr gebracht werden; danach gelten Nachfolger mit Einzelzulassung wie Ameisensäure 60 Bernburg.
Deren Fachinformation nennt für den Langzeitverdunster (Nassenheider Classic, Professional oder Horizontal, Liebig-Verdunster) 12 bis 20 ml je Zarge und Tag über 10 Tage und höchstens 200 ml je Behandlungszyklus, bezogen auf Beuten von etwa 40 Litern. Ein Warré-Volk auf zwei Zargen hat rund 38 Liter; eine eigene Dosierung für Warré-Zargen nennt die Fachinformation nicht. Halten Sie die Höchstmenge ein, kontrollieren Sie die verdunstete Menge nach 24 Stunden und klären Sie Zweifel mit Ihrem Bieneninstitut oder Tierarzt.
Der Verdunster braucht Platz über den Waben: Wie im Magazin, wo er in einer Leerzarge über dem Brutraum steht, setzen Sie eine leere Warré-Zarge auf die Oberträger, nehmen das Tuch ab und legen Kissen und Dach darüber. Behandelt wird direkt nach der Ernte, je nach Region Mitte bis Ende Juli, alle Völker eines Standes gleichzeitig. Die Bienenkiste-Anleitung von E. M. Klein peilt etwa 20 ml Verdunstung pro Tag an, nie mehr als 30 ml, und ein Vlies im Verdunster gleicht Temperaturen zwischen 15 und 30 °C aus. Ihre Füllmengen beziehen sich noch auf das alte Präparat; ab 2027 gilt die Fachinformation des Nachfolgers.
Winter: Oxalsäure im brutfreien Volk
Für die Restentmilbung wird Oxalsäure im brutfreien Volk geträufelt, meist im November oder Dezember, etwa drei Wochen nach den ersten Frostnächten. Die Gebrauchsinformation von Oxuvar 5,7 % nennt 3 bis 4 ml je besetzter Zander- oder Normalmaß-Wabengasse, höchstens 50 ml je Volk, einmalig. In der Warré träufeln Sie von oben in die besetzten Gassen zwischen den Oberträgern; eine Zarge hat sieben Gassen zwischen den Trägern. Mengen für Warré-Waben nennt die Gebrauchsinformation nicht, und die Warré-Wabe ist schmaler als eine Zanderwabe. Sprechen Sie die Menge mit Bieneninstitut oder Tierarzt ab und überschreiten Sie die Höchstmenge nie. Die Behandlung darf nicht wiederholt werden.
Thymolpräparate sind ebenfalls zugelassen und werden von manchen Warré-Imkern bevorzugt; Heuvel etwa rät statt Säuren zu ihnen. Die Varroakonzepte der deutschen Bieneninstitute stützen sich jedoch vor allem auf Ameisen- und Oxalsäure. Das Ausschneiden verdeckelter Drohnenbrut, das die LWG als wirksame Biotechnik nennt, ist in der Warré ohne Rähmchen kaum umsetzbar.
Honigernte aus der Warré-Beute
Geerntet wird oben. Weil die Königin mit dem Brutnest nach unten wandert, enthalten die oberen Zargen nach der Haupttracht meist nur noch Honig. Ernten Sie nur volle, verdeckelte, brutfreie Zargen.
So gehen Sie vor
- An einem warmen Tag zur Mittagszeit arbeiten, wenn die Flugbienen unterwegs sind.
- Dach und Kissen abnehmen, durch das Tuch leicht räuchern.
- Obere Zarge abtrennen: mit einem dünnen Draht oder langen Messer zwischen den Zargen die Wachsbrücken durchschneiden.
- Zarge anheben und von unten prüfen: Ist noch Brut darin, zurücksetzen und einige Wochen warten.
- Bienen abfegen oder am Vortag eine Bienenflucht zwischen die Zargen legen.
- Tuch, Kissen und Dach auf die verbleibende Zarge setzen.
- Waben bienendicht im Haus von den Trägern schneiden, damit keine Räuberei entsteht.
Honig aus Naturwaben gewinnen Sie ohne Schleuder: Waben zerdrücken und durch ein Sieb auslaufen lassen, oder pressen. Die Honigverordnung kennt dafür eigene Bezeichnungen wie Tropfhonig und Presshonig; ganze Waben verkaufen Sie als Wabenhonig. Wie Sie Wassergehalt prüfen, abfüllen und etikettieren, steht im Beitrag zur Honigernte.
Mit wie viel Honig ist zu rechnen?
Deutsche Vergleichsdaten von Bieneninstituten zwischen Warré- und Zandervölkern haben wir nicht gefunden. Warré nannte für seine eigenen Stände Durchschnittswerte von etwa 25 kg je Volk in der Somme und 15 kg im trachtarmen Saint-Symphorien. Für die Bienenkiste nennt Klein bis zu 20 kg. Der Deutsche Imkerbund gibt für Deutschland 20 bis 30 kg je Volk und Jahr im Durchschnitt an, überwiegend aus Rähmchenbeuten. Dazu kommt: Naturwaben müssen jedes Jahr neu gebaut werden, und Wachsbau kostet Honig. Die LWG nennt als Nachteil des Naturwabenbaus ausdrücklich einen möglicherweise geringeren Honigertrag. Auch für Winterverluste in Naturwabenbeuten fehlen getrennte Auswertungen der deutschen Umfragen.
Warré oder Zander: Was passt zu Ihnen?
| Kriterium | Warré-Beute | Zanderbeute |
|---|---|---|
| Zarge | 300 × 300 × 210 mm innen, knapp 19 Liter | 10 Rähmchen 420 × 220 mm |
| Erweiterung | von unten | von oben, Honigraum aufsetzen |
| Waben | Naturbau an Oberträgern | meist Mittelwände in Rähmchen |
| Brutkontrolle | von unten, eingeschränkt | Wabe für Wabe |
| Varroa-Biotechnik | kaum möglich | Drohnenrahmen, Brutentnahme |
| Ernte | Tropf- oder Presshonig, Wabenhonig | Schleuderhonig |
| Ableger | kaum möglich | Standard |
| Zubehör und Hilfe im Verein | wenig | überall |
Eine australische Studie aus Perth (Kutby und Mitarbeiter, Insects 2024) verglich je vier Völker in Warré- und Langstrothbeuten über 130 Tage. In den Warré-Beuten schwankten Temperatur und Luftfeuchte im Tagesverlauf weniger. Die Langstroth-Völker nahmen mehr an Gewicht zu, beim eingelagerten Honig gab es keinen signifikanten Unterschied. Acht Völker in einem warmen Klima sind ein Hinweis, kein Beweis für deutsche Verhältnisse.
Für die meisten Einsteiger in Deutschland bleibt das Zander- oder Normalmaß-Magazin die sicherere Wahl, weil Vereine, Kurse und Ablegerverkäufer darauf eingestellt sind; Einzelheiten stehen in unserem Beitrag zur Zanderbeute. Die Warré-Beute passt zu Imkerinnen und Imkern, die wenige Völker halten, Naturbau wollen, Schwärme schätzen und bereit sind, Varroa und Brutgesundheit trotz eingeschränkter Einsicht konsequent zu überwachen.
Häufige Fragen
Ist die Warré-Beute in Deutschland erlaubt?
Ja. Die Bienenseuchen-Verordnung schreibt kein Beutensystem und keine beweglichen Waben vor. Sie müssen die Völker aber vor Beginn beim Veterinäramt anzeigen, jährlich gegen Varroa behandeln und dem Amtstierarzt bei Untersuchungen helfen. Bei Faulbrutverdacht muss er die Brut sehen können, deshalb bauen viele Warré-Imker zumindest in den Brutzargen Oberträger mit Seitenteilen oder Rähmchen ein.
Welche Innenmaße hat eine Warré-Zarge?
Die lichte Weite beträgt 300 × 300 mm bei 210 mm Höhe, das sind knapp 19 Liter. Darauf liegen acht Oberträger von 24 mm Breite mit je 12 mm Abstand untereinander und zur Wand. Bei 20 mm Brettstärke ergibt sich ein Außenmaß von etwa 340 × 340 mm. Die Innenmaße sollten Sie auch bei dickerem Holz genau einhalten.
Wie viele Zargen braucht ein Warré-Volk?
Überwintert wird auf zwei Zargen, also rund 38 Litern. In der Saison wächst der Stapel je nach Tracht auf drei bis fünf Zargen. Bernhard Heuvel empfiehlt in seiner Anleitung vier Zargen je Volk. Dazu kommen Boden, Kissen und Dach sowie eine Reservezarge pro Stand, damit Sie bei starkem Bautrieb sofort untersetzen können.
Wie behandle ich ein Warré-Volk gegen Varroa?
Mit zugelassenen Tierarzneimitteln wie bei jeder anderen Beute: nach der Ernte Ameisensäure im Verdunster, im brutfreien Winter Oxalsäure geträufelt zwischen die Oberträger. Die Mengenangaben der Gebrauchsinformation sind für Rähmchenbeuten formuliert, Höchstmengen gelten trotzdem. Kontrollieren Sie den Befall vorher und nachher mit einer Gemülldiagnose auf der Windel unter dem Gitterboden und tragen Sie jede Anwendung ins Bestandsbuch ein.
Wie viel Honig bringt eine Warré-Beute?
Belastbare deutsche Vergleichszahlen gibt es nicht. Warré selbst nannte für seine Stände 15 bis 25 kg je Volk, die Bienenkiste nennt bis zu 20 kg. Der Deutsche Imkerbund gibt für Magazinvölker im Durchschnitt 20 bis 30 kg an. Ein Schwarm im ersten Jahr baut vor allem Waben und liefert meist nichts zum Ernten.
Kann man Warré-Waben schleudern?
Naturwaben an einfachen Oberträgern passen in keine normale Schleuder. Man schneidet sie aus und lässt den Honig über ein Sieb auslaufen oder presst ihn. Bernhard Heuvel beschreibt auch das Schleudern ausgeschnittener Waben in Edelstahlkäfigen. Mit Warré-Rähmchen, etwa 320 × 200 mm mit Hoffmann-Seitenteilen, ist Schleudern in einer passenden Schleuder möglich.
Ist die Warré-Beute für Anfänger geeignet?
Bedingt. Ohne bewegliche Waben lernen Sie Brut, Königin und Krankheiten schlechter kennen als am Zanderrähmchen. Sinnvoll ist, im Imkerverein mit Rähmchen zu lernen und parallel ein oder zwei Warré-Völker zu führen. Heuvel rät, sich einen erfahrenen Paten zu suchen und mit mindestens drei Völkern zu beginnen, damit Verluste ausgeglichen werden können.
Was ist der Unterschied zwischen Warré-Beute und Bienenkiste?
Die Warré-Beute ist ein senkrechter Stapel kleiner Zargen, erweitert wird von unten, geerntet von oben. Die Bienenkiste nach Erhard Maria Klein ist eine liegende Kiste mit festem Volumen, Brut- und Honigraum liegen hintereinander. Zur Kontrolle wird sie gekippt. Beide setzen auf Naturwabenbau, Schwarmvermehrung und wenig Eingriffe, die Bienenkiste ist noch extensiver.
Quellen
- L'Apiculture pour tous, 5. Auflage (Tours, 1923), Faksimile, Abbé Émile Warré, Digitalisat biobees.com
- Warré hive plans (metric), David Heaf, biobees.com
- Warré beekeeping: links (deutsche Übersetzungen, Foren, Bezugsquellen), David Heaf, warre.biobees.com
- Imkern nach Warré (2014), Bernhard Heuvel und Mandy Fritzsche, warre-bienenhaltung.de
- Bienenseuchen-Verordnung (BienSeuchV), Gesamttext, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Verordnung über die Meldung von Seuchen bei Tieren (Tierseuchenmeldeverordnung, TierSeuchMeldV) vom 10. März 2026, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Die Qual der Wahl: die Beute, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Fachzentrum Bienen
- Wesensgemäße Bienenhaltung, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Fachzentrum Bienen
- Naturwabenbau, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Fachzentrum Bienen
- Anlage Umstellungsplan: Zusatz Imker (Stand 12.2021), Demeter Beratung e.V.
- Infobrief Bienen@Imkerei 03/2011 (Apisticus-Preis für Thomas Radetzki), Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute
- Ameisensäure-Behandlung, Erhard Maria Klein, bienenkiste.de
- L'Apiculture pour tous, 12. Auflage (1948), Neusatz, Abbé Émile Warré, Digitalisat carnets-p-gaz
- Honigernte, Erhard Maria Klein, bienenkiste.de
- Mellifera-Einraumbeute (Produktseite, abgerufen Oktober 2026), Mellifera e.V.
- Ameisensäure 60 Bernburg 684 mg/ml, Fachinformation (Zul.-Nr. V7006708.00.00), Serumwerk Bernburg AG
- OXUVAR 5,7 %, Zul.-Nr. 402355.00.00, Produktinformation (Deutschland), Unionsdatenbank für Tierarzneimittel, Europäische Arzneimittel-Agentur
- Small-cell comb does not control Varroa mites in colonies of honeybees of European origin (Seeley und Griffin, Apidologie 42(4), S. 526-532, 2011), Apidologie, Springer, doi:10.1007/s13592-011-0054-4
- The Effect of Hive Type on Colony Homeostasis and Performance in the Honey Bee (Apis mellifera), Insects 15(10):800, 2024, MDPI, Kutby et al.
- Warré-Beute Rähmchen gedrahtet mit Hoffmann-Seiten (Preis Oktober 2026), Heinrich Holtermann KG

