

Varroa-Behandlung: Schadschwellen, zugelassene Mittel, Ameisensäure, Oxalsäure und Biotechnik
Varroa-Behandlung in Deutschland: Gemülldiagnose und Puderzucker, Schadschwellen, Ameisensäure im Sommer, Oxalsäure im Winter, Bestandsbuch und Stichtag 2027.
Die Varroa-Behandlung ist in Deutschland Pflicht und folgt einem festen Jahresrhythmus: Befall regelmäßig mit Gemülldiagnose oder Puderzuckerprobe messen, im Frühjahr Drohnenbrut schneiden, direkt nach der letzten Honigernte mit Ameisensäure oder einer Brutpause behandeln und im Winter die brutfreien Völker mit Oxalsäure restentmilben. Zulässig sind nur zugelassene Tierarzneimittel, jede Anwendung gehört ins Bestandsbuch.
Warum ist die Varroamilbe so gefährlich?
Varroa destructor stammt von der Östlichen Honigbiene Apis cerana und gilt weltweit als größte Bedrohung der Imkerei. In Deutschland wurde sie Ende der 1970er Jahre in Hessen nachgewiesen, bis Anfang der 1990er Jahre war sie laut Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg flächendeckend verbreitet. Heute ist praktisch jeder Bienenstand befallen.
Vermehrung in der verdeckelten Brut
Das Weibchen, rund 1,1 × 1,7 mm groß und rotbraun, schlüpft kurz vor der Verdeckelung in eine Brutzelle. Dort legt es zuerst ein männliches Ei, danach in etwa 30-stündigem Abstand weitere, weibliche Eier. Die Jungmilben paaren sich noch in der Zelle und verlassen sie mit der schlüpfenden Biene. Drohnenbrut ist bevorzugt, weil sie rund drei Tage länger verdeckelt bleibt und so mehr Tochtermilben reif werden. Diese Vorliebe nutzt der Imker beim Drohnenbrutschneiden.
Viren und Winterbienen
Der eigentliche Schaden entsteht durch Viren, die die Milbe überträgt oder aktiviert, allen voran das Flügeldeformationsvirus. Kritisch ist der Spätsommer: Die Milbenzahl erreicht ihren Höhepunkt, während das Volk seine langlebigen Winterbienen aufzieht. Werden diese als Puppe parasitiert, sterben sie zu früh, und die Wintertraube schrumpft ab Januar, obwohl Futter da ist. Wie Winterbienen entstehen, beschreibt unser Beitrag zur Entwicklung der Biene.
Wie hoch der Preis ist, zeigt die Jahresumfrage des Fachzentrums Bienen und Imkerei Mayen: Im Winter 2024/25 gingen rund 20 Prozent der eingewinterten Völker verloren, deutlich mehr als im langjährigen Mittel. Dr. Christoph Otten führt Verluste in der Regel auf hohe Varroabelastung zurück und warnt, dass viele Imker ihren Befall zu niedrig einschätzen. Für 2025/26 erwartete Mayen 15 bis 17 Prozent, also wieder einen fast normalen Wert.
Was schreibt das Gesetz zur Varroa-Behandlung vor?
Jährliche Behandlungspflicht nach § 15 BienSeuchV
Anders als in manchen Nachbarländern gibt es in Deutschland eine ausdrückliche Pflicht. § 15 Absatz 1 der Bienenseuchen-Verordnung lautet: Ist ein Bienenstand mit Varroamilben befallen, so hat der Besitzer alle Bienenvölker des Bienenstandes jährlich gegen Varroatose zu behandeln. Nach Absatz 2 kann die zuständige Behörde, also das Veterinäramt, für ein bestimmtes Gebiet anordnen, dass alle Völker innerhalb einer Frist zu behandeln sind, und dabei die Art der Behandlung festlegen.
Seit dem 11. März 2026 ist die Varroose nach der Tierseuchenmeldeverordnung (Anlage 2) meldepflichtig. Die Länder setzen das unterschiedlich um: Niedersachsen hält Meldungen der Imker für entbehrlich, fragen Sie daher Ihr Veterinäramt. Unverändert bleibt laut Ministerium in Stuttgart die Behandlungspflicht nach § 15 BienSeuchV.
Nur zugelassene Tierarzneimittel
Bienen sind Lebensmittel liefernde Tiere. Zulässig sind nur Präparate mit Zulassung für die Honigbiene, angewendet genau nach Gebrauchsinformation: Anwendungsgebiet, Dosierung, Dauer und Wartezeit. Der Einsatz technischer Säuren als Arzneimittel bei Bienen ist verboten, so etwa das Merkblatt des Veterinäramts Straubing-Bogen. Bei frei verkäuflichen Mitteln trägt der Imker allein die Verantwortung dafür, dass keine Rückstände in Honig und Wachs bleiben.
Das Ministerium Baden-Württemberg nennt eine Ausnahme: Herrscht ein echter Therapienotstand, etwa weil in Gebieten mit Spättracht kein zugelassenes Mittel passt, kann ein praktizierender Tierarzt ein im Ausland zugelassenes Präparat verschreiben. Das ist eine tierärztliche Entscheidung, keine Abkürzung für den Imker.
Bestandsbuch: auch für frei verkäufliche Säuren
Seit dem 28. Januar 2022 gilt die EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6. Nach ihrem Artikel 108 sind seither alle Tierarzneimittel bei Lebensmittel liefernden Tieren im Bestandsbuch zu dokumentieren, ob frei verkäuflich oder nicht, und die Aufzeichnungen mindestens fünf Jahre aufzubewahren. Vor 2022 galt das nur für apotheken- und verschreibungspflichtige Mittel, wie Emmerich 2018 noch beschrieb; ältere Merkblätter sind in diesem Punkt überholt.
Das Muster von VETIDATA (Universität Leipzig) zeigt die Pflichtfelder, hier mit einem Beispiel für das Nachfolgepräparat:
| Feld | Beispiel |
|---|---|
| Datum | 06.08. |
| Anzahl und Identität der Völker | 4 Völker, Nr. 16, 18, 20, 21 |
| Arzneimittel | Ameisensäure 60 Bernburg |
| Lieferant mit Anschrift | Apotheke oder Imkereifachhandel |
| Art der Verabreichung | Langzeitverdunster |
| Menge | 200 ml pro Volk |
| Behandlungsdauer | 10 Tage |
| Wartezeit | Honig: 0 Tage |
| Name der behandelnden Person | Ihr Name |
Bewahren Sie Kaufbelege zusammen mit dem Bestandsbuch auf. Mit diesen Spalten führen Sie unser Bestandsbuch für Bienen online und drucken es für das Veterinäramt. Wer seine Völker beim Veterinäramt anmeldet und registriert, findet die übrigen Pflichten im Beitrag Imker werden.
Wie misst man den Varroabefall?
Das Varroakonzept Baden-Württemberg verlangt eine Diagnose vor jeder Behandlung, eine Kontrolle 14 Tage danach und fortlaufende Kontrollen bis in den November, um Reinvasion und verlängerte Brutphasen zu erkennen.
Gemülldiagnose mit Bodenwindel
Die Gemülldiagnose misst den natürlichen Milbenfall ohne Eingriff ins Volk.
- Unter den Gitterboden eine helle Bodeneinlage (Windel) schieben.
- Im Sommer Küchenpapier mit Speiseöl auflegen, damit Ameisen und andere Insekten die Milben nicht abtragen.
- Die LWG Bayern rät zu 7 Tagen Liegezeit mit einer Zwischenzählung nach 3 bis 4 Tagen, Hohenheim zu mindestens drei Tagen.
- Gezählte Milben durch die Zahl der Tage teilen: Ergebnis ist der Milbenfall pro Tag.
Der Wert ist schnell ermittelt, schwankt aber mit Brutumfang und Wetter. Entscheidend ist der Verlauf über mehrere Wochen.
Puderzuckermethode nach Kirchhain
Die Puderzuckerprobe misst die Milben auf den erwachsenen Bienen. Das Bieneninstitut Kirchhain (Poker, Brunnemann, Büchler, 2011) beschreibt sie so:
- Eine gut besetzte Randwabe aus dem obersten Raum ziehen, ohne Königin, möglichst mit wenig Brut, und die Bienen auf eine saubere, trockene Folie abstoßen.
- Einen 100-ml-Urinbecher randvoll mit Bienen füllen, das entspricht etwa 50 g.
- In einen Schüttelbecher von mindestens 750 ml mit Gitterdeckel umfüllen, sofort etwa fünf leicht gehäufte Esslöffel Puderzucker (rund 35 g) zugeben und vorsichtig schwenken.
- Mindestens drei Minuten einwirken lassen, ein- bis zweimal nachschütteln.
- Etwa 60 Sekunden kräftig über einem Sieb auf einem hellen Eimer ausschütteln, die Milben im Sieb zählen.
- Die Bienen auf die Oberträger zurückschütten.
Exakt gerechnet wird der Befall als Milben pro 10 g Bienen. Die LWG Bayern rechnet in Prozent: Milbenzahl × 10 geteilt durch das Bienengewicht in Gramm, weil 10 Bienen etwa 1 g wiegen. 25 Milben in 50 g Bienen ergeben also 5 Prozent. Bienen, Zucker und Wetter müssen trocken sein. Die Übereinstimmung mit der Auswaschmethode war in der Kirchhainer Validierung sehr gut, die Bienen überleben die Probe.
Auswaschmethode
Gleiche Probe, aber in Alkohol oder Wasser mit Spülmittel ausgewaschen. Das Ergebnis ist etwas genauer, die Bienen sterben. Die LWG nennt sie gleichwertig neben Puderzucker und Gemüll.
Welche Schadschwellen gelten?
Feste Grenzwerte gibt es nicht, aber die Institute verwenden einheitliche Orientierungswerte. Lesen Sie sie immer mit Volksstärke, Brutumfang und Jahreszeit zusammen.
Natürlicher Milbenfall (Milben pro Tag)
| Zeitpunkt | Unauffällig | Erhöht | Sofort handeln | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Trachtzeit bis Sommerpflege (Juni, Juli) | unter 5 | 5 bis 10 | über 10 | LWG Bayern, Hohenheim |
| Herbst (September, Oktober) | 2 bis 3 bei einzelnen Völkern: weitere Behandlung | über 10 | Hohenheim, LWG Bayern | |
| Nach Abschluss der Sommerbehandlung | unter 0,5 | LWG Bayern | ||
| Restentmilbung ab November | unter 0,5: keine Behandlung | über 0,5: im brutfreien Volk behandeln | LWG Bayern |
Das Hohenheimer Konzept formuliert es knapp: ab 5 Milben pro Tag im Sommer zeitnah mit der Behandlung beginnen, ab 10 Milben pro Tag Sofortmaßnahmen. Bei der Erfolgskontrolle müssen Sie die Nachwirkzeit abwarten, bevor Sie den natürlichen Fall messen: nach Thymol 2 Wochen, nach Ameisensäure 12 Tage, nach Milchsäure 10 Tage (LWG Bayern).
Puderzuckerprobe (Milben pro 50-g-Probe)
| Monat | Vorerst ungefährdet | Behandlung bald nötig | Sofort behandeln |
|---|---|---|---|
| Juli | unter 5 | 5 bis 25 | über 25 |
| August | unter 10 | 10 bis 25 | über 25 |
| September | unter 15 | 15 bis 25 | über 25 |
Die Werte stammen aus Kirchhain. Die Schwellen steigen im Jahresverlauf, weil der Brutanteil sinkt und mehr Milben auf den Bienen sitzen. Im Bereich „vorerst ungefährdet” können Sie im Sommer oft auf eine Behandlung verzichten, sollten aber nach 4 bis 6 Wochen erneut kontrollieren. Die LWG fasst die Puderzuckerprobe im Sommer als Ampel: unter 1 Prozent grün, 1 bis 5 Prozent gelb, über 5 Prozent rot.
Für die Wahl des Behandlungstages verweisen die Institute auf das Varroawetter, eine Prognose, ob das Wetter am Standort eine Verdunstungsbehandlung zulässt.
Welche Varroamittel sind in Deutschland zugelassen?
Die Liste der LWG Bayern (Stand Juni 2024) und die VETIDATA-Übersicht (Stand Oktober 2023) ergeben folgendes Bild. Ob ein Präparat aktuell zugelassen ist, prüfen Sie vor dem Kauf im Arzneimittelportal PharmNet.Bund.
| Präparat | Wirkstoff | Abgabe | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Ameisensäure 60 % ad us. vet., Formivar 60 % | Ameisensäure | frei verkäuflich | Standardzulassung, bis max. 2027 |
| Ameisensäure 60 Bernburg (684 mg/ml) | Ameisensäure | frei verkäuflich | Einzelzulassung, Nachfolger, auch Schwammtuch |
| Formic Pro | Ameisensäure 68,2 g pro Streifen | frei verkäuflich | Nachfolger von MAQS |
| Milchsäure 15 % ad us. vet. | Milchsäure | frei verkäuflich | Standardzulassung, bis max. 2027 |
| Milchsäure Bernburg 150 mg/g | Milchsäure | frei verkäuflich | Einzelzulassung, Nachfolger |
| Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % ad us. vet. | Oxalsäure | frei verkäuflich | Standardzulassung, bis max. 2027 |
| Oxalsäure Bernburg 40 mg/ml | Oxalsäure | frei verkäuflich | Einzelzulassung, Träufeln 3,5 %, Sprühen 3,0 % |
| Oxuvar 5,7 % | Oxalsäure | frei verkäuflich | Träufeln und Sprühen |
| Oxybee, Dany’s Bienenwohl | Oxalsäure | frei verkäuflich | Träufeldispersion |
| Varroxal 0,71 g/g | Oxalsäure | frei verkäuflich | Verdampfen nur mit Varrox Eddy oder Varrox Verdampfer |
| Calistrip Biox | Oxalsäure | frei verkäuflich | Streifen, zugelassen seit März 2025 |
| VarroMed | Ameisen- und Oxalsäure | frei verkäuflich | Träufeln |
| Apiguard, Thymovar, Api Life Var | Thymol | frei verkäuflich | Verdunstung |
| Bayvarol, PolyVar Yellow | Flumethrin | apothekenpflichtig, nicht verschreibungspflichtig | Streifen |
| Apivar, Apitraz | Amitraz | verschreibungspflichtig | Streifen |
Anders als etwa in Frankreich gibt es Amitraz-Streifen in Deutschland nur auf tierärztliches Rezept. Das Rückgrat der deutschen Varroakonzepte sind die organischen Säuren, ergänzt durch Thymol. Das Land Baden-Württemberg bezuschusst laut Ministerium Thymol-, Ameisensäure- und Oxalsäurepräparate. Ob und wie Ihr Land Varroamittel bezuschusst, erfahren Sie beim Landesverband oder bei der Tierseuchenkasse.
Stichtag 29. Januar 2027: Was bedeutet „bis max. 2027”?
Die drei klassischen Säurepräparate liefen jahrzehntelang über eine Standardzulassung, die eine Rezeptur statt eines Markenprodukts zulässt. Mit der EU-Verordnung 2019/6 und dem Tierarzneimittelgesetz fiel dieses vereinfachte Verfahren weg. Nach der Übergangsregel in § 92 Absatz 2 TAMG dürfen Ameisensäure 60 % ad us. vet. (auch Formivar 60 %), Milchsäure 15 % ad us. vet. und Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % ad us. vet. nur noch bis zum 29.01.2027 auf dem Markt bereitgestellt werden; das LAVES Celle spricht von einer Übergangsfrist bis zu diesem Tag. Die Restentmilbung im Winter 2026/27 können Sie also noch mit vorhandener Ware durchführen. Danach gibt es für diese Präparate keine Zulassung mehr, und angewendet werden dürfen nur zugelassene Tierarzneimittel. Kaufen Sie deshalb nur so viel Altware, wie Sie bis zum Stichtag verbrauchen. Für die Sommerbehandlung 2027 nehmen Sie die Nachfolger mit Einzelzulassung und lesen deren Gebrauchsinformation neu, denn die Dosierungen weichen ab (siehe Langzeitverdunster).
Verdampfen nur mit Varroxal und zugelassenem Gerät
Das Verdampfen (Sublimieren) von Oxalsäure ist in Deutschland ausschließlich mit Varroxal 0,71 g/g erlaubt, und laut LWG-Liste nur mit dem Varrox Eddy oder dem Varrox Verdampfer. Andere Oxalsäurepräparate dürfen nicht verdampft werden. Die Dämpfe reizen Augen und Atemwege stark; halten Sie die Schutzausrüstung ein, die die Gebrauchsinformation vorschreibt.
Sommerbehandlung: Wie wendet man Ameisensäure richtig an?
Ameisensäure ist der einzige zugelassene Wirkstoff, der auch Milben in der verdeckelten Brut erreicht. Deshalb ist sie das Standardmittel nach der Ernte, wenn das Volk noch kräftig brütet.
Zeitpunkt
Nach dem Varroakonzept Baden-Württemberg erfolgt die erste Behandlung nach Trachtende und Befallsdiagnose, spätestens Ende Juli. Nach der Auffütterung ist meist eine zweite Behandlung nötig. Die LWG Bayern beschreibt dieselbe Abfolge: frühe erste Behandlung direkt nach der letzten Ernte, sofern genug Futter im Volk ist, sonst erst füttern; dann die Hauptfütterung; dann die zweite Behandlung um Anfang September. Die Futtermengen und Termine finden Sie in unserem Beitrag zum Bienen füttern. Während der Tracht wird nicht behandelt, auch nicht mit organischen Säuren.
In Gebieten mit Spättracht, etwa bei Waldtracht bis in den August, kommt die Behandlung spät. Wer sehr hohen Befall misst, bricht die Honigernte ab: Ein verlorenes Volk kostet mehr als ein Honigraum.
Temperatur und Wetter
Ideal sind laut Hohenheim 20 bis 30 °C, je nach Verdunstersystem. Die Fachinformation von Ameisensäure 60 Bernburg erlaubt den Beginn erst über 12 °C Tagestemperatur und rät aus Sicherheitsgründen ab, wenn die Höchstwerte 30 °C übersteigen. Zu niedrige Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit mindern die Wirkung, große Hitze treibt die Verdunstung hoch und gefährdet offene Brut und Königin. Prüfen Sie vor dem Einsetzen das Varroawetter für Ihren Standort. Das Ministerium Baden-Württemberg weist darauf hin, dass 85-prozentige Ameisensäure, früher für kühle Tage empfohlen, ihre Vorteile in Studien nicht bestätigt hat.
Langzeitverdunster
Die LWG Bayern bewertet den Nassenheider Verdunster Professional und den Liebig-Dispenser als sehr wirksam. Welche Menge zulässig ist, bestimmt aber das Präparat, nicht der Verdunster. Für Ameisensäure 60 Bernburg, das Präparat, das ab 2027 die Standardzulassung ersetzt, nennt die Fachinformation:
- Verdunster: Nassenheider Classic, Professional oder Horizontal, Liebig-Verdunster
- 12 bis 20 ml je Zarge und Tag über 10 Tage, 12 ml pro Tag nicht unterschreiten
- höchstens 200 ml je Behandlungszyklus (bezogen auf Beuten von etwa 40 Litern)
- verdunstete Menge 2 Tage nach dem Einsetzen prüfen und den Verdunster nachregeln
- bei 5 oder mehr Milben natürlichem Fall pro Tag frühestens nach 4 Wochen wiederholen
Ältere Empfehlungen für die auslaufende Standardzulassung lagen höher, etwa bei der LWG bis 290 ml je Anwendung im Nassenheider Professional. Für das Bernburger Präparat gelten diese Mengen nicht. Der Verdunster sitzt meist in einer Leerzarge über dem Brutraum. Kontrollieren Sie in den ersten Tagen die verdunstete Menge und den Milbenfall auf der Windel.
Schwammtuch-Kurzzeitbehandlung
Die Stoßbehandlung mit dem Schwammtuch ist nicht durch die alte Standardzulassung gedeckt. Das LAVES Celle betont, dass sie nur für das Präparat Ameisensäure 60 Bernburg zugelassen ist, und zwar für Beuten von etwa 60 Litern, und keine allgemeine Erlaubnis für andere Präparate darstellt. Die Fachinformation sieht 40 ml je Zarge auf einem Schwammtuch vor, die innerhalb von 4 bis 8 Stunden verdunsten, 4- bis höchstens 5-mal im Abstand von jeweils 7 Tagen. Bei warmem Wetter beginnen Sie in den kühleren Morgenstunden. Ältere Schwammtuch-Tabellen mit Mengen je Liter Beutenvolumen decken sich nicht mit dieser Zulassung.
Formic Pro
Die Gelstreifen enthalten je 68,2 g Ameisensäure. Die Übersicht der Landwirtschaftskammer NRW nennt zwei Streifen (einen Beutel) pro Volk für 7 Tage. Honigräume mit Honig kommen vor der Behandlung herunter. Lage der Streifen, Fluglochöffnung und den zulässigen Temperaturbereich regelt die Gebrauchsinformation; lesen Sie sie vor dem ersten Einsatz vollständig, denn wie bei jeder Ameisensäurebehandlung kann es zu Brut- und Königinnenverlusten kommen.
Sicherheit
Ameisensäure 60 % ist stark ätzend. Schutzbrille, säurefeste Handschuhe und ein Eimer Wasser zum Ausspülen gehören an den Bienenstand. Säure niemals in Getränkeflaschen umfüllen und für Kinder unzugänglich lagern.
Was tun bei Thymol, Milchsäure und synthetischen Mitteln?
Thymol
Thymolpräparate sind bienenverträglich, wirken aber langsam. Die LWG empfiehlt sie bei unauffälligem Befall, etwa für Imker mit frühem Saisonende, nicht bei starkem Befall. Die Behandlung dauert je nach Präparat 4 bis 6 Wochen, die Futterabnahme kann stocken, und Rückstände in Wachs sind möglich. Laut den Gebrauchsinformationen:
- Apiguard: 50 g Gel pro Volk, 2 Anwendungen im Abstand von 2 Wochen.
- Thymovar: laut Gebrauchsanweisung 1 Streifen bei einem Brutraum, 2 Streifen bei zwei Bruträumen, 1,5 Streifen bei Dadant; 2 Anwendungen von je 3 bis 4 Wochen, nicht bei Tageshöchstwerten über 30 °C.
- Api Life Var: 1 Streifen pro Volk, 4 Anwendungen im Abstand von 7 Tagen.
Während der Behandlung sitzen keine Honigräume auf dem Volk.
Milchsäure 15 %
Milchsäure wird gesprüht, etwa 8 ml je besetzter Wabenseite (NRW). Sie eignet sich für brutfreie Ableger, Kunstschwärme und Völker nach einer Brutentnahme; im roten Bereich rät die LWG, die Brut sofort zu entnehmen und mit einem Medikament zu kombinieren. Ab Oktober empfiehlt die LWG Milchsäure bei passendem Wetter auch, wenn die Reinvasionskontrolle im gelben Bereich liegt.
Flumethrin und Amitraz
Bayvarol und PolyVar Yellow (Flumethrin) bekommen Sie in der Apotheke, Apivar und Apitraz (Amitraz) nur auf Rezept. Beide Wirkstoffgruppen haben ein Resistenzproblem. Emmerich (2018) schreibt, dass Resistenzen gegen Pyrethroide auch in Deutschland bekannt sind, und rät, Flumethrin nicht in aufeinanderfolgenden Jahren einzusetzen. Flumethrin ist fettlöslich und hinterlässt dauerhafte Rückstände im Wachs. Für Apitraz zitiert sie einen Bericht von Rosenkranz aus 2017 mit durchschnittlich nur etwa 65 Prozent Wirksamkeit in zwölf stark befallenen Völkern.
Apivar wird laut Gebrauchsinformation mit zwei Streifen pro Volk im oberen Brutbereich eingesetzt, mit mindestens zwei Waben Abstand. Die Streifen bleiben 6 Wochen bei wenig oder keiner Brut, 10 Wochen bei vorhandener Brut, und werden zur Halbzeit umgesetzt, wenn Propolis sie überzieht. Getestet wurde nur in einzargigen Beuten, alle Völker eines Standes werden gleichzeitig behandelt, bei bekannter Amitrazresistenz ist das Mittel kontraindiziert. Für Zander-Imker mit zwei Bruträumen ist Amitraz deshalb selten die erste Wahl.
Winterbehandlung: Restentmilbung mit Oxalsäure
Oxalsäure wirkt nur auf Milben auf den Bienen, nicht in verdeckelten Zellen. Die Restentmilbung braucht deshalb ein brutfreies Volk.
Wann ist das Volk brutfrei?
Das Varroakonzept Baden-Württemberg empfiehlt die Restentmilbung etwa 21 Tage nach der ersten Frostperiode, möglichst unter 5 °C. Leichter Frost schadet nicht. In der Norddeutschen Tiefebene mit milden Wintern und am Oberrhein bleibt oft länger Brut im Volk als in den Mittelgebirgen oder im Alpenvorland; dort lohnt der Blick auf die Bruttemperaturfühler von Stockwaagen, die etwa der Trachtmeldedienst in Baden-Württemberg anbietet. Notfalls ziehen Sie an einem milden Tag eine Wabe aus dem Zentrum der Traube.
Träufeln: Dosierung je Präparat
Oxuvar 5,7 %: Die Lösung wird mit Zucker auf 3,5 % angesetzt (275 g Zucker zur 275-g-Flasche, 1 kg zur 1000-g-Flasche) und auf 30 bis 35 °C angewärmt. Für West- und Mitteleuropa nennt die Gebrauchsinformation:
| Wabenmaß | Je besetzter Wabengasse | Höchstmenge pro Volk |
|---|---|---|
| Zander, Deutsch Normalmaß | 3 bis 4 ml | 50 ml |
| Dadant | 5 bis 6 ml | 50 ml |
Die angesetzte Lösung ist sofort zu verbrauchen. Geträufelt wird bei Außentemperaturen zwischen −15 und +5 °C, einmal im Herbst oder Winter. Diese Werte stehen in der deutschen Gebrauchsinformation (Zul.-Nr. 402355.00.00); für Südeuropa gelten dort höhere Mengen.
Oxybee: 5 bis 6 ml der angewärmten Dispersion je besetzter Wabengasse, höchstens 54 ml pro Volk, einmalig, nur brutfrei (Übersicht NRW).
Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % ad us. vet.: 5 bis 6 ml je Wabengasse, 30 bis 50 ml pro Volk je nach Stärke, einmalig (NRW); nach dem 29.01.2027 ersetzt durch Oxalsäure Bernburg.
Bei zwei Zargen kippen Sie die obere an und träufeln die Bienen in jeder besetzten Gasse der Wintertraube direkt an, so Hohenheim. Die Gebrauchsinformationen sehen nur eine einmalige Träufelbehandlung vor, denn wiederholtes Träufeln schädigt die Bienen.
Sprühen bei Ablegern und Kunstschwärmen
Für brutfreie Ableger und Kunstschwärme ist das Sprühen laut Hohenheim wirksamer als mehrfaches Träufeln. Oxuvar wird dafür mit Wasser auf 3 % verdünnt: 2 bis 3 ml je voll besetzter Zander-Wabenseite, bei Kunstschwärmen 20 bis 25 ml je Kilogramm Bienen, bei über 8 °C, fein vernebelt im 45-Grad-Winkel. Die Bienen dürfen nicht nass werden.
Oxalsäurestreifen sind kein Sommermittel
Calistrip Biox ist seit März 2025 als erster Oxalsäurestreifen in Deutschland zugelassen (Zul.-Nr. V7018971.00.00) und im Fachhandel erhältlich. Er darf nur nach der Tracht eingesetzt werden und wirkt nur, solange das Volk aktiv ist und noch keine Wintertraube bildet. Die Bieneninstitute Kirchhain, Mayen und Veitshöchheim prüften ihn im Sommer 2025: In brütenden Völkern wirkt er nicht ausreichend und eignet sich nicht als alleinige Sommerbehandlung. Die Zulassungsversuche liefen in Spanien an brutarmen Herbstvölkern, also unter ganz anderen Bedingungen als im deutschen Hochsommer.
Varroa-Behandlung ohne Chemie: welche biotechnischen Verfahren wirken?
Biotechnische Verfahren erzeugen keine Resistenzen und hinterlassen keine Rückstände, verlangen aber Zeit, Material und Pünktlichkeit.
Drohnenbrut schneiden
Von März bis Juni hängen Sie einen Baurahmen ohne Mittelwand an den Rand des Brutnests. Die Bienen bauen ihn mit Drohnenzellen aus, die Milben wandern bevorzugt ein. Sobald der Großteil verdeckelt ist, schneiden Sie die Wabe aus und schmelzen sie ein, bevor die ersten Drohnen schlüpfen (24 Tage nach der Eiablage). Ein vergessener Rahmen züchtet Milben, statt sie zu fangen. Das Hohenheimer Konzept nennt verdeckelte Drohnenwaben eine Varroafalle, die den Befallsanstieg bis zum Sommer deutlich verringert. Ableger mit zwei bis drei Brutwaben je Volk entnehmen zusätzlich Milben.
Totale Brutentnahme
Der Infobrief 17/2024 der Bieneninstitute beschreibt sie als Verfahren von etwa zwei Wochen vor Trachtende bis Ende Juli oder Anfang August, auch als Notmaßnahme. Alle Brutwaben werden in einem Arbeitsgang entnommen, die Königin bleibt mit den Bienen auf hellem oder neuem Wabenwerk. Ist der Honig geerntet, wird das brutfreie Volk sofort mit einem zugelassenen Oxalsäurepräparat behandelt. Ohne Medikament hängt man stattdessen eine offene Brutwabe als Fangwabe ein, die nach etwa neun Tagen verdeckelt entnommen und eingeschmolzen wird. Die entnommenen Brutwaben setzen Sie mit Bienen und Futter zu Brutsammlern zusammen, die eine neue Königin nachziehen und nach einer Woche mit Ameisensäure oder in der Brutpause mit Oxalsäure behandelt werden.
Bannwabenverfahren
Die Königin wird für jeweils neun Tage auf eine leere Wabe gesperrt, über 27 Tage erhält sie dreimal eine neue Wabe. Die letzte bleibt noch neun Tage im Volk, wird dann verdeckelt entnommen und eingeschmolzen. Langsam, und Sie müssen die Königin sicher finden. Für niedrigen bis mittleren Befall geeignet.
Königin käfigen
Die Königin kommt für 25 Tage in einen Durchlaufkäfig mit Absperrgitter in der Mitte des oberen Brutraums. Nach neun Tagen brechen Sie Nachschaffungszellen aus. Nach dem Schlupf der Restbrut wird die Königin freigelassen und das brutfreie Volk mit Oxalsäure behandelt. Wenig Arbeit, aber ungeeignet bei akut hohem Befall. Hilfe beim Königinnenwechsel bietet unser Beitrag zur Königinnenzucht.
Wie wirksam solche Brutpausen sind, hat eine europäische Studie unter Leitung von Ralph Büchler (Kirchhain) an 370 Völkern in 10 Ländern gemessen. Käfigen mit anschließender Oxalsäurebehandlung entfernte je nach Anwendungsart 48 bis 90 Prozent der Milben, totale Brutentnahme und Fangwabe schnitten nicht signifikant schlechter ab. Nach jeder Brutpause dauert es laut Infobrief 17/2024 etwa sechs Wochen, bis sich die Bruttätigkeit normalisiert hat und die Diagnose wieder aussagekräftige Werte liefert.
Varroa-Behandlung im Jahreslauf
Ein Gerüst für Mitteldeutschland. In der Oberrheinebene beginnt alles früher, in Mittelgebirgen und im Alpenvorland später, bei Spättracht verschiebt sich der Sommer. Die übrigen Arbeiten stehen im Imkerkalender.
| Zeitraum | Ziel | Maßnahmen |
|---|---|---|
| März bis Juni | Anstieg bremsen | Drohnenrahmen schneiden, Ableger bilden, Gemüll alle 14 Tage |
| Juni bis Anfang Juli | Entscheidung vorbereiten | Puderzucker oder Gemüll, Brutentnahme oder Käfigen vor Trachtende planen |
| Ende der Tracht, spätestens Ende Juli | Winterbienen schützen | Honigernte, dann sofort erste Ameisensäurebehandlung oder Brutpause mit Oxalsäure |
| August | Volk auffüttern | Hauptfütterung, Gemüll kontrollieren |
| Anfang September | Restmilben erfassen | zweite Ameisensäurebehandlung, danach 12 Tage Nachwirkzeit abwarten |
| September bis November | Reinvasion erkennen | Gemüll alle 14 Tage, ab 2 bis 3 Milben pro Tag erneut behandeln |
| November bis Dezember | Restentmilbung | brutfrei, unter 5 °C, etwa 21 Tage nach der ersten Frostperiode Oxalsäure träufeln |
| Laufend | Nachweis | jede Anwendung ins Bestandsbuch, Belege fünf Jahre aufbewahren |
Wenn die Behandlung nicht gewirkt hat
Liegt der natürliche Milbenfall nach der Nachwirkzeit über 0,5 Milben pro Tag, empfiehlt die LWG eine weitere Sommerbehandlung. Schnelle Verfahren können langsame ersetzen, aber nicht umgekehrt: Thymol rettet kein Volk, das schon über der Schadschwelle steht. Melden Sie fehlende Wirksamkeit eines Präparats über Ihren Tierarzt. Stirbt ein Volk trotz Behandlung, lassen Sie Proben untersuchen, um andere Ursachen aus unserem Beitrag zu Bienenkrankheiten auszuschließen, und verschließen Sie die Beute sofort gegen Räuberei, denn ausgeraubte Völker tragen ihre Milben in die Nachbarstände.
Führen Sie über jede Diagnose und Behandlung Buch, nicht nur im Pflicht-Bestandsbuch. Nach zwei oder drei Jahren sehen Sie, in welchem Monat Ihr Stand kippt und welches Verfahren bei Ihrer Betriebsweise am besten wirkt.
Häufige Fragen
Ist die Varroa-Behandlung in Deutschland Pflicht?
Ja. Nach § 15 Absatz 1 der Bienenseuchen-Verordnung muss der Besitzer eines mit Varroamilben befallenen Bienenstandes alle Völker jährlich gegen Varroatose behandeln. Da praktisch jeder Stand befallen ist, gilt das für jeden Imker. Das Veterinäramt kann nach Absatz 2 zusätzlich anordnen, dass alle Völker eines Gebiets bis zu einer Frist behandelt werden, und dabei die Art der Behandlung vorgeben.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Ameisensäurebehandlung?
Direkt nach der letzten Honigernte, spätestens Ende Juli, so das Varroakonzept Baden-Württemberg. Nach dem Auffüttern ist meist eine zweite Behandlung nötig, in Bayern empfiehlt die LWG sie um Anfang September. Ameisensäure wirkt am besten bei 20 bis 30 °C. Zu kaltes, feuchtes Wetter mindert die Wirkung, große Hitze erhöht das Risiko für Brut und Königin.
Wie viele Milben pro Tag sind zu viel?
Im Sommer gilt nach Hohenheim: ab etwa 5 Milben natürlichem Totenfall pro Tag zeitnah behandeln, ab 10 Milben pro Tag sofort handeln. Im Herbst sind 2 bis 3 Milben pro Tag bei einzelnen Völkern schon ein Grund für eine weitere Behandlung. Nach Abschluss der Sommerbehandlung sollte der natürliche Milbenfall laut LWG Bayern unter 0,5 Milben pro Tag liegen.
Wie viel Oxalsäure träufelt man pro Wabengasse?
Das hängt vom Präparat ab. Für Oxuvar 5,7 % nennt die Gebrauchsinformation für mitteleuropäische Bedingungen 3 bis 4 ml je besetzter Zander- oder DN-Wabengasse, 5 bis 6 ml bei Dadant, höchstens 50 ml pro Volk. Für Oxybee nennt die Übersicht der Landwirtschaftskammer NRW 5 bis 6 ml je Wabengasse, maximal 54 ml. Beide nur einmal, nur im brutfreien Volk, die Lösung handwarm.
Darf ich Oxalsäure oder Ameisensäure aus dem Baumarkt verwenden?
Nein. Bienen sind Lebensmittel liefernde Tiere, und technische Säuren dürfen bei ihnen nicht als Arzneimittel eingesetzt werden. Zulässig sind nur zugelassene Tierarzneimittel mit Zulassungsnummer, angewendet nach Gebrauchsinformation. Das Veterinäramt Straubing-Bogen nennt den Einsatz technischer Säuren als Arzneimittel ausdrücklich verboten. Selbst angesetzte Säuren haben keine Zulassung, keine geprüfte Dosierung und keine festgelegte Wartezeit.
Was bedeutet der Stichtag 29. Januar 2027 für Imker?
Die alten Standardzulassungen für Ameisensäure 60 % ad us. vet., Milchsäure 15 % ad us. vet. und Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5 % ad us. vet. laufen nach dem EU-Tierarzneimittelrecht aus. Nach § 92 Absatz 2 TAMG dürfen sie nur noch bis zum 29.01.2027 auf dem Markt bereitgestellt werden. Für die Saison 2027 kaufen Sie die Nachfolger mit Einzelzulassung, etwa Ameisensäure 60 Bernburg oder Oxalsäure Bernburg, und lesen deren abweichende Dosierung.
Muss ich auch frei verkäufliche Varroamittel ins Bestandsbuch eintragen?
Ja. Seit dem 28. Januar 2022 verlangt die EU-Tierarzneimittelverordnung 2019/6 die Dokumentation aller Tierarzneimittel bei Lebensmittel liefernden Tieren, auch der frei verkäuflichen. Eingetragen werden Datum, Zahl der Völker, Präparat, Lieferant, Art der Anwendung, Menge, Dauer, Wartezeit und die behandelnde Person. Bestandsbuch und Kaufbelege bewahren Sie mindestens fünf Jahre auf.
Reicht Drohnenbrut schneiden gegen die Varroa?
Allein nicht. Das Ausschneiden verdeckelter Drohnenwaben im Frühjahr bremst den Befallsanstieg bis zum Sommer deutlich, wie das Varroakonzept Baden-Württemberg betont. Eine Behandlung nach der Ernte und die Restentmilbung im Winter ersetzt es nicht. Wer ohne Medikamente im Sommer auskommen will, braucht eine echte Brutpause, etwa durch totale Brutentnahme oder Käfigen der Königin.
Quellen
- Bienenseuchen-Verordnung (BienSeuchV), § 15 Schutzmaßregeln gegen die Varroatose, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de
- Varroose, Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg
- Varroa-Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg (Stand 11/2024), Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim
- Zugelassene Varroabehandlungsmittel (Stand Juni 2024), Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei
- Varroakonzept: medikamentöse Standardbehandlung, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei
- Schadschwellen-orientiertes Varroamanagement, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Institut für Bienenkunde und Imkerei
- Varroa: Sommerbehandlung, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Fachzentrum Bienen
- Infobrief vom 02.02.2023: Einzelzulassungen für neue Varroazide erfolgt, LAVES Institut für Bienenkunde Celle
- Zugelassene Varroazide für Bienen in Deutschland (Stand 05.10.2023) und Muster Bestandsbuch, Universität Leipzig, Veterinärmedizinische Fakultät, VETIDATA (veröffentlicht durch die Stadt Kassel)
- Zugelassene Bienenmedikamente und integrierte Varroabekämpfung (Stand März 2024), Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bienenkunde Münster
- Varroabehandlung mit Oxalsäurestreifen (Calistrip Biox), Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Bieneninstitut Kirchhain
- Bienenprobe mit Puderzucker: neue schonende Varroa-Befallsmessung (Poker, Brunnemann, Büchler, 2011), Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, Bieneninstitut Kirchhain
- Infobrief Bienen@Imkerei 17/2024: Biotechnische Maßnahmen, Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute, Bieneninstitut Kirchhain
- Infobrief Bienen@Imkerei 29/2025: Jahresrückblick, DLR Westerwald-Osteifel, Fachzentrum Bienen und Imkerei Mayen
- Zugelassene Arzneimittel für Honigbienen (Apis mellifera) in Deutschland (Emmerich, Berl. Münch. Tierärztl. Wochenschr., 2018), Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift, bereitgestellt vom Landesverband Württembergischer Imker
- Summer brood interruption as integrated management strategy for effective Varroa control in Europe (Büchler et al., J. Apic. Res. 59, 2020), Journal of Apicultural Research, Eintrag SRUC
- Merkblatt für Bienenhalter (Stand September 2021), Landratsamt Straubing-Bogen, Veterinäramt
- APIVAR 500 mg, Gebrauchsinformation, Véto-pharma, Gebrauchsinformation wiedergegeben bei medikamio
- OXUVAR 5,7 %, Zul.-Nr. 402355.00.00, Produktinformation (Deutschland), Unionsdatenbank für Tierarzneimittel (UPD), Europäische Arzneimittel-Agentur
- Apiguard 25 % Gel zur Anwendung im Bienenstock, Gebrauchsinformation (österreichische Fassung; deutsche Zulassung Zul.-Nr. 400616.00.00), Vita Bee Health, Gebrauchsinformation wiedergegeben bei medikamio
- Apilife Var imprägnierte Streifen für den Bienenstock, Gebrauchsinformation (österreichische Fassung; deutsche Zulassung Zul.-Nr. 401267.00.00), Chemicals Laif, Gebrauchsinformation wiedergegeben bei medikamio
- Ameisensäure 60 Bernburg 684 mg/ml, Fachinformation (Zul.-Nr. V7006708.00.00), Serumwerk Bernburg AG

