

Geschichte der Imkerei in Deutschland: von der Zeidlerei bis zur Magazinbeute
Geschichte der Imkerei in Deutschland: Zeidler im Nürnberger Reichswald, Strohkorb und Heideimkerei, Dzierzon und Berlepsch, Zander, Imkerbund, DDR, Varroa.
Die Geschichte der Imkerei in Deutschland beginnt mit der Zeidlerei, der Waldbienenzucht in ausgehöhlten Bäumen, die im Nürnberger Reichswald bis in die Neuzeit ein privilegiertes Handwerk war. Es folgten Klotzbeute und Strohkorb, in denen die Waben fest verbaut waren. Mitte des 19. Jahrhunderts machten Johann Dzierzon mit dem Wabenstäbchen und August von Berlepsch mit dem Rähmchen die Wabe beweglich. Seit 1907 gibt es Bieneninstitute und den Deutschen Imkerbund, seit 1977 die Varroamilbe.
Dieser Beitrag erzählt die deutsche Linie dieser Geschichte. Die großen Etappen vor dem Mittelalter, von der Honigjagd der Steinzeit bis zu den Tonröhren Ägyptens, betreffen Mitteleuropa nur am Rand: Bienenwachsreste in jungsteinzeitlicher Keramik zeigen zwar, dass schon die ersten Bauern Europas Bienenprodukte nutzten, eine eigene Bienenhaltung lässt sich aus diesen Funden aber nicht ablesen.
Was war die Zeidlerei?
Bevor Bienen in Körben am Haus standen, holte man Honig und Wachs aus dem Wald. Daraus entwickelte sich die Zeidlerei, eine geregelte Waldbienenzucht. Der Zeidler suchte sich geeignete Bäume und schlug in mehreren Metern Höhe einen Hohlraum in den lebenden Stamm. Diese Höhlung hieß Beute, der Baum Beutbaum. Ein Brett verschloss die Öffnung, ein Flugloch blieb frei. Zog ein Schwarm ein, gehörte er dem Zeidler, der den Baum gezeichnet hatte. Das Wort Beute für die Bienenwohnung lebt in Zanderbeute und Magazinbeute bis heute fort.
Das Gebiet, in dem ein Zeidler arbeiten durfte, hieß Zeidelweide. Geerntet wurde, indem er mit Strickleiter oder Steigseil am Stamm hinaufkletterte, die Bienen mit Rauch beruhigte und einen Teil der Waben herausschnitt. Das Volk blieb im Baum und konnte im nächsten Jahr wieder genutzt werden. Klotzbeuten, also ausgehöhlte Stammabschnitte, die man vom Wald ins Dorf holte, bildeten laut Spektrum-Lexikon der Biologie über viele Jahrhunderte den Übergang zur Hausbienenhaltung.
Die Zeidler im Nürnberger Reichswald
Das bekannteste deutsche Beispiel ist die Zeidlerei im Nürnberger Reichswald. Das Spektrum-Lexikon datiert den Aufbau der Nürnberger Waldbienenzucht in die Zeit zwischen 900 und 1000. Parallel dazu entwickelte sich die Nürnberger Lebkuchenbäckerei, die große Mengen Honig brauchte. Der Markt Feucht südöstlich von Nürnberg war das Zentrum dieser Zeidelweide. Nach Angaben der Gemeinde hatten die Zeidler dort seit dem 13. Jahrhundert die Stellung von Forstbediensteten mit eigener Gerichtsbarkeit.
1350 erließ Kaiser Karl IV. ein Zeidlerprivileg, das Sonderrechte und Pflichten der Zeidler festschrieb. Nur sie durften im Reichswald Waldbienenzucht betreiben. Ihr Amt hatten sie als Lehen und zahlten dafür Honig, später Honiggeld. Zuständig war das Zeidelgericht in Feucht. 1427 ging das verpfändete Zeidelrecht an die Stadt Nürnberg, die bis zum Ende des Alten Reiches Lehnsherrin der Zeidler blieb.
Feucht hält diese Geschichte lebendig. Das Zeidlerschloss, 1556 zum heutigen Turmhaus umgebaut, liegt auf dem Gelände zweier ehemaliger Zeidelgüter, also Höfe von Zeidlern. Ein Zeidlerrelief über dem Tor war Vorbild für das Feuchter Gemeindewappen im 20. Jahrhundert. Nach Angaben der Gemeinde wechselte das Gut zwischen dem 16. Jahrhundert und 1806 achtundzwanzigmal den Besitzer, vermutlich wegen häufiger Streitigkeiten zwischen Gutsherren und Zeidlern. Das Zeidelmuseum im Ort widmet sich diesem Handwerk.
Welche Rolle spielten Bienen im mittelalterlichen Deutschland?
Honig war bis zur Verbreitung des Rohr- und später des Rübenzuckers der wichtigste Süßstoff, nicht nur für Lebkuchen, sondern auch für Met. Noch wertvoller war das Wachs. Kirchen und Klöster brauchten große Mengen für Altarkerzen, und viele Grundherren verlangten Abgaben in Honig und Wachs.
Wie eng Bienen und Glaube verbunden waren, zeigt der Lorscher Bienensegen. Dieser kurze althochdeutsche Spruch, mit dem ein ausgeflogener Schwarm zurückgerufen werden soll, steht als späterer Nachtrag auf Blatt 58r einer Handschrift aus dem frühen 9. Jahrhundert, die um 900 in die Bibliothek des Klosters Lorsch gelangte und heute in der Vatikanischen Bibliothek liegt (Pal. lat. 220). Er gehört zu den ältesten Texten in deutscher Sprache überhaupt.
Das Recht beschäftigte sich mit Bienen, weil ein Schwarm wertvoll war und sich nicht an Grundstücksgrenzen hielt. Ein Nachhall dieser Tradition steht bis heute im Bürgerlichen Gesetzbuch. Nach § 961 BGB wird ein ausgezogener Schwarm herrenlos, wenn der Eigentümer ihn nicht unverzüglich verfolgt oder die Verfolgung aufgibt. Die folgenden Paragrafen regeln, dass der Imker dabei fremde Grundstücke betreten darf und wem vereinigte Schwärme gehören. Wer heute einen Schwarm einfängt, bewegt sich also auf sehr altem Rechtsboden.
Klotzbeute, Strohkorb und Lüneburger Heideimkerei
Mit dem Rückgang der Wälder und der Rodung für Ackerland verlagerte sich die Bienenhaltung ins Dorf. Neben der Klotzbeute setzte sich der Strohkorb durch, der aus Roggenstroh in Spiralwülsten geflochten und mit Weiden- oder Brombeerbast gebunden wurde. Nach dem Spektrum-Lexikon ist der Lüneburger Stülper, ein glockenförmiger Korb mit dem Flugloch an der Seite, die bekannteste deutsche Form. Daneben gab es Ständerkörbe, Kastenbeuten und regionale Varianten, die man in Bienenhäusern, Bienenzäunen oder unter Vordächern aufstellte.
Gemeinsam war allen diesen Wohnungen der Stabilbau: Die Bienen bauten ihre Waben fest an die Wand. Wer ernten wollte, musste Waben herausschneiden oder das Volk opfern. Verbreitet war das Abschwefeln im Herbst, bei dem man schwere Körbe über einem brennenden Schwefellappen abtötete und vollständig erntete, während leichte Körbe und Schwärme überwinterten. Krankheiten ließen sich so kaum erkennen.
Die Heideimker der Lüneburger Heide
In Norddeutschland entstand mit der Heideimkerei eine eigene Betriebsweise. Die Besenheide (Calluna vulgaris) blüht in der Lüneburger Heide nach Angaben des LAVES-Instituts für Bienenkunde Celle von Anfang August bis Mitte September und kann eine späte Massentracht liefern. Die Heide selbst war eine Kulturlandschaft: Schafbeweidung mit Heidschnucken, Plaggenhieb und Besenbinden hielten den Wald fern. Die Lüneburger Heide umfasst nach LAVES heute noch über 100.000 Hektar, davon 23.440 Hektar Naturschutzgebiet. Dass die Imker dort so lange am Korb festhielten, hat einen praktischen Grund: Für die Heidetracht zählte vor allem die Zahl starker Völker im August, nicht die einzelne Wabe, und Schwärme ließen sich im Korb billig vermehren.
Die klassische Korbimkerei setzte auf Schwärme statt auf frühe Ernten. Die Heideimker verzichteten auf Frühjahrshonig und ließen ihre Völker schwärmen, um für die Heidetracht drei- bis viermal so viele leistungsfähige Völker zu haben. Dazu kam die Wanderung: Imker aus anderen Gegenden brachten ihre Körbe im Spätsommer in die Heide. Da die Heide nicht jedes Jahr honigt, lagerten die Imker Überschüsse für schlechte Jahre ein.
Heidehonig ist eine Besonderheit. Eiweißstoffe aus dem Nektar machen ihn gelartig, und er enthält im Mittel mehr Wasser als andere Honige (laut LAVES 18,7 Prozent). Vor dem Schleudern muss er mit einem Lösegerät gestippt werden, sonst fließt er nicht aus den Zellen. Waben, die beim Schleudern zu brechen drohen, werden laut LAVES bis heute gepresst. Wie das moderne Schleudern funktioniert, lesen Sie unter Honigernte.
Wie Dzierzon, Berlepsch und Mehring die Imkerei veränderten
Im 19. Jahrhundert wurde die Bienenhaltung zur Wissenschaft, und deutsche Imker spielten dabei eine Hauptrolle. Organisiert wurde der Austausch über Bienenzeitungen und über die Wanderversammlungen deutscher Bienenwirte, auf denen Praktiker und Forscher ihre Ergebnisse vorstellten.
Johann Dzierzon und die Jungfernzeugung der Drohnen
Johann Dzierzon wurde am 16. Januar 1811 in Lowkowitz in Oberschlesien geboren und starb dort am 26. Oktober 1906. Der Ort heißt heute Łowkowice und liegt in Polen, wo der katholische Pfarrer als Jan Dzierżon verehrt wird. Er schrieb überwiegend auf Deutsch, seine Werke erschienen schon 1853 und 1859 auch in polnischer Übersetzung. Deutsche und polnische Imker berufen sich gleichermaßen auf ihn.
Nach der Neuen Deutschen Biographie erkannte Dzierzon die Jungfernzeugung bereits 1835 mit bloßem Auge, indem er die Samenbehälter begatteter und unbegatteter Königinnen gegen das Licht hielt. 1845 veröffentlichte er in der Bienenzeitung die These, dass Drohnen aus unbefruchteten Eiern entstehen. Die Fachliteratur zitiert diese Arbeit bis heute als Entdeckung der Parthenogenese bei der Honigbiene. Carl Theodor von Siebold und Rudolf Leuckart bestätigten sie 1855 unter dem Mikroskop.
Ebenso folgenreich war Dzierzons Betriebsweise. Er gab den Bienen in Kastenbeuten Wabenstäbchen, an die sie ihre Waben bauten. Wenn man die Seitenwände freischnitt, ließ sich jede Wabe einzeln herausnehmen. Er gilt deshalb laut NDB als Erfinder der beweglichen Wabe. Sein Hauptwerk Theorie und Praxis des neuen Bienenfreundes erschien 1848. 1860 wurde er Mitglied der Leopoldina, 1872 Ehrendoktor der Universität München.
August von Berlepsch und das Rähmchen
August Freiherr von Berlepsch (1815 Seebach bei Mühlhausen bis 1877 München) stritt anfangs heftig mit Dzierzon, später arbeiteten beide freundschaftlich zusammen. Berlepsch lieferte die experimentelle Bestätigung der Drohnenthese. Seine bleibende Leistung ist das Wabenrähmchen, mit dem er Dzierzons offenes Stäbchen zu einem geschlossenen Rahmen ergänzte. Das Spektrum-Lexikon datiert diesen Schritt auf 1853. Die Wabe hing nun frei in einem Holzrahmen und war ohne Schneiden beweglich, die Grundlage des Mobilbaus.
Fast gleichzeitig entwickelte Lorenzo Langstroth in den USA eine Rähmchenbeute mit festem Bienenabstand. In Deutschland setzte sich zunächst die Hinterbehandlungsbeute im Bienenhaus durch, mit Rähmchen im Deutschen Normalmaß. Wie die heutigen Rähmchenmaße entstanden sind und welche Beuten im Gebrauch sind, erklärt unser Beitrag zur Zanderbeute.
Mittelwand und Honigschleuder
Zwei weitere Erfindungen vervollständigten die moderne Imkerei. Der Schreiner Johannes Mehring aus Kleinniedesheim bei Frankenthal in der Pfalz begann 1849 zu imkern und presste Wachs zwischen geschnitzten Holzplatten zu Mittelwänden mit vorgeprägten Zellböden. Laut NDB zeigte er Mittelwände und Presse 1858 auf der Wanderversammlung der Bienenwirte in Stuttgart und erhielt dafür einen Preis von 30 Gulden. Mittelwände ersparen den Bienen Bauarbeit und sorgen für gerade Waben im Rähmchen. 1865 stellte der österreichische Major von Hruschka die erste Honigschleuder vor, die den Honig per Fliehkraft aus den Waben holt, ohne sie zu zerstören.
Erst die Kombination aus Rähmchen, Mittelwand und Schleuder machte die Imkerei planbar: Leere Waben kamen nach dem Schleudern zurück ins Volk, die Bienen mussten weniger Wachs erzeugen, und der Imker konnte jede Wabe auf Brut, Futter und Krankheiten prüfen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Betriebsweise in den Imkervereinen zum Lehrstoff.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1835 | Dzierzon beobachtet, dass unbegattete Königinnen Eier legen |
| 1845 | Dzierzon veröffentlicht die Drohnenthese (Parthenogenese) |
| 1848 | Dzierzon: Theorie und Praxis des neuen Bienenfreundes |
| um 1853 | Berlepsch ergänzt das Wabenstäbchen zum Rähmchen |
| 1855 | Siebold und Leuckart bestätigen die Parthenogenese mikroskopisch |
| 1858 | Mehring stellt die Mittelwand in Stuttgart vor |
| 1865 | Hruschka stellt die Honigschleuder vor |
Bienenforschung in Deutschland: Gerstung, Zander, von Frisch, Ruttner
Ferdinand Gerstung und der „Bien”
Der Thüringer Pfarrer Ferdinand Gerstung (1860 Vacha bis 1925 Oßmannstedt bei Weimar) prägte das Bild des Bienenvolkes als Einheit. Laut NDB erkannte er das Bienenvolk „als einen geschlossenen Organismus”. Sein Buch Der Bien und seine Zucht (1902) machte den Ausdruck der Bien populär, den Imker bis heute für das Volk als Ganzes verwenden. Er beschrieb den spiralförmigen Legegang der Königin und eine Arbeitsteilung nach Altersgruppen, die er in Einzelheiten falsch deutete. 1893 gründete er die Zeitschrift Deutsche Bienenzucht in Theorie und Praxis.
Enoch Zander und das erste Bieneninstitut in Erlangen
1907 entstand in Erlangen die Königliche Anstalt für Bienenzucht, angegliedert an das Zoologische Institut der Universität. Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) war sie das erste Bieneninstitut Deutschlands. Wissenschaftlicher Leiter wurde Enoch Zander (1873 bis 1954), die Gesamtleitung hatte zunächst der Zoologe Albert Fleischmann. Zander leitete das Institut später von 1926 bis 1937 und von 1942 bis 1948. Er entdeckte den Erreger einer bis dahin unbekannten Darmerkrankung, Nosema apis, und entwickelte das Zandermaß, das bis heute zu den meistverwendeten Rähmchenmaßen in Deutschland gehört. Seit 2003 ist das Institut als heutiges Institut für Bienenkunde und Imkerei an die LWG in Veitshöchheim angegliedert.
Weitere Institute folgten. Am 1. Juli 1927 entstand das Hannoversche Landesinstitut für Bienenforschung und bienenwirtschaftliche Betriebslehre, das heutige LAVES-Institut für Bienenkunde Celle. Im Mittelpunkt standen von Anfang an die Zucht leistungsfähiger Königinnen, die Bekämpfung von Bienenkrankheiten und eine artgerechte Bienenhaltung. 1937 gründete die Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt das Bieneninstitut Oberursel, dessen erster Leiter Hugo Gontarski war.
Karl von Frisch und die Tanzsprache
Der in Wien geborene Zoologe Karl von Frisch (1886 bis 1982) lehrte von 1925 bis 1944 und von 1950 bis 1958 in München. Er wies das Farbensehen der Honigbiene nach und entschlüsselte ab den 1920er-Jahren den Rundtanz und den Schwänzeltanz, mit denen Sammlerinnen Richtung, Entfernung und Art einer Futterquelle mitteilen. 1973 erhielt er dafür zusammen mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Friedrich Ruttner und die Bienengeografie
Friedrich Ruttner kam 1964 nach Oberursel und lehrte zugleich Zoologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Das Institut nennt ihn den Begründer der modernen Bienengeografie, also der Systematik der Unterarten von Apis mellifera. 1970 gründete er mit dem Franzosen Jean Louveaux die Fachzeitschrift Apidologie. 1974 stellte er mit Hans Schneider und Jean Fresnaye ein Standardgerät für die künstliche Besamung von Königinnen vor, das die instrumentelle Besamung international vereinheitlichte. Mehr dazu steht unter instrumentelle Besamung.
Vom Imkerverein zum Deutschen Imkerbund
Die Imkervereine des 19. Jahrhunderts schlossen sich zu Landesverbänden zusammen. Als Gründungsjahr des Deutschen Imkerbundes (D.I.B.) nennt der Verband 1907, damals mit 83.000 Mitgliedern. Erster Präsident war von 1908 bis 1912 Otto Sydow. 1925 schuf der Bund die Verbandsmarke Echter Deutscher Honig, die bis heute auf dem Einheitsglas mit Gewährverschluss steht.
Belegstellen und der Weg zur Carnica
Mit dem Mobilbau wurde auch gezielte Zucht möglich. 1908 wurde mit Ohrwaschl die erste Belegstelle Deutschlands eingerichtet, ein abgelegener Ort, an dem junge Königinnen nur mit Drohnen ausgewählter Völker zusammentreffen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die deutsche Bienenpopulation nach Hoppe und Kollegen (2020) eine Mischung verschiedener, oft verkreuzter Unterarten. Nach 1945 bauten deutsche Züchter die Carnica-Zucht auf der Arbeit österreichischer Züchter der 1930er-Jahre auf, und die Carnica verdrängte die ursprünglich heimische Dunkle Biene weitgehend. Heute ist sie die vorherrschende Biene in deutschen Imkereien, wie unser Beitrag zu den Bienenrassen zeigt.
Ein Deutscher prägte die zweite große Zuchtlinie, allerdings in England: Karl Kehrle, geboren am 3. August 1898 in Mittelbiberach in Oberschwaben, trat 1910 als Bruder Adam in die Benediktinerabtei Buckfast in Devon ein. Nach den Verlusten durch die Tracheenmilbe begann er 1917 mit Kreuzungen, aus denen die Buckfastbiene hervorging. Er starb am 1. September 1996.
Wie war die Imkerei in der DDR organisiert?
In der DDR waren die Imker im Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) organisiert, gemeinsam mit Kleingärtnern und Kaninchen- oder Geflügelzüchtern. Das Statistische Jahrbuch der DDR weist die Mitgliederzahlen der Imker im VKSK aus:
| Jahr | Imker im VKSK | an den Handel gelieferter Honig |
|---|---|---|
| 1963 | 45.841 | |
| 1965 | 46.298 | 2.176 t |
| 1967 | 47.257 | |
| 1970 | 44.946 | 3.699 t |
| 1974 | 42.076 | 2.850 t |
Der Honig, den Imker an den staatlichen Handel lieferten, hatte 1974 einen Wert von 22,8 Millionen Mark, rechnerisch rund 8 Mark je Kilogramm. Für viele Familien war die Bienenhaltung damit ein spürbarer Zuverdienst.
Auch die Forschung lief weiter. An der damaligen Forschungsstelle für Bienenwirtschaft in Hohen Neuendorf bei Berlin begann Christa Winkler 1976 mit der künstlichen Besamung von Königinnen. Aus dieser Einrichtung ging das heutige Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf hervor, das nach Angaben des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums als zentrale Sammelstelle für Zuchtdaten aus ganz Europa dient. Nach der Wende brach die Bienenhaltung in den neuen Ländern ein. In Sachsen-Anhalt sank die Zahl der Völker in den Imkerverbänden laut Landesregierung von 69.800 im Jahr 1990 auf 16.762 im Jahr 1995, die Zahl der Imker von 5.359 auf 1.645.
Varroa ab 1977: das Ende der unbehandelten Biene
Die größte Zäsur der jüngeren Geschichte kam aus Asien. Nach Angaben des Instituts für Bienenkunde Celle wurden die ersten Varroamilben in Deutschland 1977 gefunden, zunächst begrenzt auf Hessen. Sie waren unbemerkt mit Völkern der Östlichen Honigbiene (Apis cerana) eingeschleppt worden, die man zu Forschungszwecken eingeführt hatte. Alle Bemühungen, die Milbe wieder loszuwerden, blieben erfolglos. Weil Völker ständig Kontakt haben und geschwächte Völker von Nachbarn ausgeraubt werden, breitete sie sich rasch aus. Seit den 1980er-Jahren gehört die Varroabekämpfung zum festen Imkerjahr, wie unser Beitrag zur Varroa-Behandlung im Detail beschreibt.
Imkerei in Deutschland heute in Zahlen
Die Imkerei ist heute vor allem eine Freizeitimkerei. Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes hatte der D.I.B. im Jahr 2024 137.223 Mitglieder mit zusammen 929.065 Bienenvölkern. Insgesamt schätzt der Verband die Zahl der Imkerinnen und Imker in Deutschland auf etwa 143.000 mit rund 964.000 Völkern.
| Kennzahl | Wert | Quelle und Stand |
|---|---|---|
| Mitglieder im D.I.B. bei Gründung | 83.000 | D.I.B., Gründungsjahr 1907 |
| Mitglieder im D.I.B. | 137.223 | D.I.B., 2024 |
| Bienenvölker der D.I.B.-Mitglieder | 929.065 | D.I.B., 2024 |
| Imker in Deutschland (Schätzung) | etwa 143.000 | D.I.B. |
| Völker je D.I.B.-Mitglied | knapp 7 | rechnerisch aus D.I.B.-Zahlen 2024 |
| Honigernte | 15.000 bis 25.000 t pro Jahr, etwa 20 % des Verbrauchs | D.I.B. |
| Honigverzehr | etwa 1 kg pro Kopf und Jahr | D.I.B. |
Auffällig ist der Wandel in der Struktur: Rechnerisch kommen heute auf ein D.I.B.-Mitglied knapp sieben Völker, und 96 Prozent der Imker halten laut Verband höchstens 25 Völker. Wer selbst einsteigen will, findet die Schritte vom Neuimkerkurs bis zur Anmeldung beim Veterinäramt in unserem Beitrag Imker werden.
Wo kann man Imkereigeschichte heute erleben?
- Deutsches Bienenmuseum Weimar: Es gilt als ältestes Bienenmuseum Deutschlands, gehört heute zum Stadtmuseum Weimar und zeigt eine Dauerausstellung zur Biologie und Kulturgeschichte der Biene sowie eine große Sammlung volkskundlich bemalter Bienenstöcke.
- Zeidelmuseum und Zeidlerschloss in Feucht: Hier lässt sich die Geschichte der Zeidler im Nürnberger Reichswald nachvollziehen.
- Lüneburger Heide: Zahlreiche Heideimkereien, Bienenzäune und Lehrbienenstände zeigen Stülpkörbe und die Korbimkerei, oft in Verbindung mit dem Heidehonig.
- Bieneninstitute: Celle, Mayen, Veitshöchheim, Hohenheim, Kirchhain und Hohen Neuendorf informieren auf ihren Seiten über Veranstaltungen und Lehrgänge.
Viele Imkervereine pflegen außerdem alte Bienenhäuser mit Hinterbehandlungsbeuten im Normalmaß. Die Arbeit dort, mit Wabenzange und Wabenbock im Stehen am Bienenhaus, ist ein lebendiges Stück Imkereigeschichte zwischen Strohkorb und Magazin.
Zeittafel zur Geschichte der Imkerei in Deutschland
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 900 bis 1000 | Aufbau der Zeidlerei im Nürnberger Reichswald (Spektrum-Lexikon) |
| frühes 9. bis 10. Jh. | Lorscher Bienensegen als Nachtrag in Pal. lat. 220 |
| ab 13. Jh. | Zeidler in Feucht mit eigener Gerichtsbarkeit |
| 1350 | Zeidlerprivileg Kaiser Karls IV. |
| 1556 | Umbau des Zeidlerschlosses in Feucht zum Turmhaus |
| 1845 | Dzierzon veröffentlicht die Drohnenthese |
| um 1853 | Berlepsch entwickelt das Wabenrähmchen |
| 1858 | Mehring zeigt Mittelwände in Stuttgart |
| 1907 | Bieneninstitut Erlangen und Gründungsjahr des Deutschen Imkerbundes |
| 1908 | erste deutsche Belegstelle Ohrwaschl |
| 1925 | Verbandsmarke Echter Deutscher Honig |
| 1927 | Bieneninstitut Celle |
| 1937 | Bieneninstitut Oberursel |
| 1973 | Nobelpreis für Karl von Frisch |
| 1974 | Standard-Besamungsgerät von Ruttner, Schneider und Fresnaye |
| 1976 | Besamung in Hohen Neuendorf (DDR) |
| 1977 | erste Varroamilben in Hessen |
| 2024 | D.I.B.: 137.223 Mitglieder, 929.065 Völker |
Häufige Fragen
Was ist ein Zeidler?
Ein Zeidler war ein Waldimker. Er höhlte in lebenden Bäumen Hohlräume aus, die Beuten, und erntete dort Honig und Wachs von Bienenvölkern, die frei im Wald lebten. Besonders bekannt sind die Zeidler im Nürnberger Reichswald. Sie besaßen eigene Rechte und ein eigenes Gericht in Feucht. Kaiser Karl IV. verlieh ihnen 1350 ein eigenes Privileg.
Wer hat das Rähmchen erfunden?
Den Weg zur beweglichen Wabe ebnete der schlesische Pfarrer Johann Dzierzon mit seinen Wabenstäbchen, an die die Bienen ihre Waben bauten. August von Berlepsch ersetzte das Stäbchen um 1853 durch ein geschlossenes Wabenrähmchen. Damit ließ sich jede Wabe einzeln ziehen, prüfen und zurückhängen. Fast gleichzeitig entwickelte Langstroth in den USA seine Rähmchenbeute.
Wann wurde der Deutsche Imkerbund gegründet?
Das Gründungsjahr des Deutschen Imkerbundes ist 1907. Damals hatte er nach eigenen Angaben 83.000 Mitglieder, erster Präsident war von 1908 bis 1912 Otto Sydow. 1925 entstand die Verbandsmarke Echter Deutscher Honig, die heute das Einheitsglas trägt. Heute ist der D.I.B. mit Sitz in Wachtberg der Dachverband von 19 Mitgliedsverbänden und hatte 2024 rund 137.000 Mitglieder.
Wie hat man früher Honig geerntet?
Im Strohkorb und in der Klotzbeute waren die Waben fest angebaut. Der Imker schnitt Honigwaben heraus oder nahm im Herbst das ganze Volk, oft nachdem er es abgeschwefelt hatte. Den Honig gewann man durch Auslaufenlassen oder Pressen der zerkleinerten Waben. Heidehonig wird teils bis heute gepresst, weil er sich erst nach dem Stippen schleudern lässt.
Warum ist die Lüneburger Heide für die Imkerei so bekannt?
Die Heide blüht von Anfang August bis Mitte September und liefert dann eine späte Massentracht. Heideimker arbeiteten traditionell mit dem Lüneburger Stülpkorb, setzten auf Schwärme statt auf frühe Ernten und vermehrten so ihre Völker für die Heidetracht auf das Drei- bis Vierfache. Der gelartige Heidehonig ist bis heute eine Spezialität.
Gab es in der DDR viele Imker?
Ja. Die Imker waren im Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter organisiert. Das Statistische Jahrbuch der DDR zählte 1967 rund 47.300 und 1974 rund 42.100 Imker. 1970 lieferten sie 3.699 Tonnen Honig an den Handel. Nach 1990 brach die Bienenhaltung ein: In Sachsen-Anhalt fiel die Zahl der Verbandsvölker von 69.800 auf 16.762 im Jahr 1995.
Seit wann gibt es die Varroamilbe in Deutschland?
Die ersten Varroamilben wurden in Deutschland 1977 gefunden, zunächst nur in Hessen. Nach Angaben des Instituts für Bienenkunde Celle kamen sie mit Völkern der Östlichen Honigbiene, Apis cerana, die zu Forschungszwecken eingeführt worden waren. Alle Versuche, die Milbe wieder auszurotten, scheiterten. Seither muss jedes Volk regelmäßig kontrolliert und behandelt werden.
Wo kann man die Geschichte der Imkerei im Museum sehen?
Das Deutsche Bienenmuseum in Weimar gilt als ältestes Bienenmuseum Deutschlands und zeigt unter anderem bemalte Bienenstöcke. In Feucht bei Nürnberg erinnern das Zeidelmuseum und das Zeidlerschloss an die Waldimker des Reichswalds. Viele Imkervereine haben zudem Lehrbienenstände, oft mit alten Bienenhäusern, Körben oder Klotzbeuten. Fragen Sie beim örtlichen Verein nach einem Besuch.
Quellen
- Zeidlerschloss Feucht (Zeidler Manor), Markt Feucht
- Radtour 18: Zeidler, Zeidelgericht und Zeidelrecht im Reichswald, Markt Feucht
- Bienenzucht, Lexikon der Biologie, Spektrum der Wissenschaft
- Vatikan, Biblioteca Apostolica Vaticana, Pal. lat. 220 (fol. 58r: Lorscher Bienensegen), Bibliotheca Laureshamensis digital, UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch
- Heidehonig, LAVES, Institut für Bienenkunde Celle
- Dzierzon, Johannes (1811-1906), Bienenzüchter, Priester, Naturwissenschaftler, Deutsche Biographie (NDB), Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
- Drones as sons of drones in Apis mellifera (N. Koeniger, C. Hemmling, T. Yoshida, Apidologie 20, 1989), Apidologie, INRA/DIB
- Berlepsch, August Freiherr von (1815-1877), Bienenzüchter, Deutsche Biographie (NDB)
- Mehring, Johannes (1815-1878), Imker, Deutsche Biographie (NDB)
- Gerstung, Georg Ferdinand (1860-1925), Bienenforscher, Deutsche Biographie (NDB)
- Geschichte des Instituts für Bienenkunde und Imkerei, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)
- Frisch, Karl Ritter von (1886-1982), Zoologe, Deutsche Biographie (NDB)
- The history of the Institute of Apiology, Institut für Bienenkunde Oberursel, Polytechnische Gesellschaft / Goethe-Universität Frankfurt
- Institut für Bienenkunde Celle feiert 90-jähriges Jubiläum (14. März 2017), Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
- Substantial Genetic Progress in the International Apis mellifera carnica Population Since the Implementation of Genetic Evaluation (Insects 11, 768, 2020), A. Hoppe, M. Du, R. Bernstein, F.-K. Tiesler, M. Kärcher, K. Bienefeld, MDPI
- Zahlen und Fakten, Deutscher Imkerbund e. V.
- Stand und Entwicklung der Bienenhaltung (Imkerei) in Sachsen-Anhalt, Antwort der Landesregierung, Drucksache 6/2030 (24.04.2013), Landtag von Sachsen-Anhalt
- Statistisches Jahrbuch der DDR 1975, S. 448: Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, Staatliche Zentralverwaltung für Statistik der DDR, Digitalisat GVOON
- Bienenzucht in Brandenburg (Oktober 2020), Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg
- Die Varroa-Milbe: vom Nobody zum weltweiten Imker-Schreck (2014), LAVES, Institut für Bienenkunde Celle

